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Erſter Band. 191
in der düſtern Halle zwiſchen den Steinpilaſtern hervordämmert, iſt der Eingang zum alten Rathskeller. Hinab die lange breite Treppe mit den niedrigen Stufen, hinab in den Bauch der Erde, wo man nichts fragt nach Gefühlen, die das Herz ſchwer, und nach Gedanken, die den Kopf wirbeln machen.
Siebenzehntes Capitel.
Der Rathskeller von Grünwald kann mit dem von Bremen nicht rivaliſiren, iſt aber doch noch immer ein ſtattlicher Keller. Die hohen weiten Hallen erſtrecken ſich unter dem ganzen Rathhaus fort bis tief unter den Markt, an dem es liegt. Es ſind Räume genug da, die zu Trinkſtuben und Trinkſälen gedient haben, und noch heut jeden Tag dazu dienen könnten, aber es fehlt an dem Nothwendigſten— an den Trinkern. Die guten alten Zeiten von Grünwalds Macht und Glanz ſind vorbei. Die dieſe Hallen bauten und mit Becher⸗ klang und Liedern und Geſprächen füllten— die ehrenwerthen ernſten Bürger mit den breiten Schultern, den breiten Keilbärten und der breiten Wehr an der Seiten— ſie ſchliefen alle einen feſten, geſunden Schlaf auf den alten Friedhöfen, oder, wenn ſie Raths⸗ und andere hohe Herren waren, unter den großen Steinplatten, mit denen die Kirchen gepflaſtert ſind und„erwarten allhier eine ſelige Auferſtehung.“ Ihre Enkel von heute drücken ſich in engen dumpfigen Stuben herum und trinken ſchales braunes Bier anſtatt des feurigen goldigen Weines; ſo Mancher, deſſen Ahnherr Tag für Tag, wenn der roſige Sommer⸗ abend über den hohen Giebeldächern lag, oder der Winterſturm durch die engen dunkeln Gaſſen fegte, die breite Treppe hinabſtieg, weiß gar nicht einmal, wie es unten in dem Keller ausſieht.
Indeſſen ſo ganz verlaſſen kann der Rathskeller von Grünwald nun doch wohl nicht ſein. Das trübe Lämpchen über dem Eingang brennt Abend für Abend oft bis tief in die Nacht hinein, manchmal bis an den hellen Morgen; und der ehrſame Bürger, der ſich bei


