Teil eines Werkes 
10. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 1. Band (1867)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

—

—

Erſter Band. 183

Ich trat alſo auf ſie zu, faßte ſie bei der Hand— ich konnte bei Gott nicht anders— uud ſagte— was ſollte ich ſonſt ſagen?— weshalb weinen Sie, Mademoiſelle? Ihre Thränen floſſen nur noch reichlicher. Ich wiederholte meine Frage wieder und wieder. Je suis si malheurense! war Alles, was ſie endlich herausſchluchzte. Dabei blieb es. Das arme Kind that mir von Herzen leid. Ich fragte, ob ich ihr helfen könne? Sie ſchüttelte weinend den Kopf. Ich ſuchte ſie zu tröſten, und ſagte Alles, was man in einer ſolchen Situation zu ſagen pflegt. Nach und nach wurde ſie ruhiger, trocknete ſich die Augen, drückte mir die Hand und ſagte: Oh, comme vous étes bon. Damit ſchlüpfte ſie aus der Thür. Ich war ſo klug, als ich vorher geweſen war. Nach einigen Minuten kam nicht ſie, ſondern Baron Felir, um mir zu ſagen, daß ſeine Tante unendlich bedaure, mich heute Abend nicht mehr ſehen zu können. Sie ſei von der Reiſe zu angegriffen. Ich möchte morgen wieder kommen. Da Baron Felix es ebenfalls ſehr eilig zu haben ſchien, empfahl ich mich ſchleunigſt. Als ich ſchon in der Thür war, rief er mir nach: Apropos, Herr Bemperlein, wiſſen Sie nicht, wann der Doctor Stein zurückkommen wird?„Ich glaube, in dieſen Tagen,“ erwiderte ich und ging. Da haben Sie meine romantiſche Geſchichte.“

„Die Manches zu denken giebt,“ ſagte Franz.„Ich möchte nebenbei auch wohl wiſſen, wann Oswald zurückkommen wird. Er ſollte eigentlich ſchon hier ſein.“

In dieſem Augenblick kam das Mädchen herein, um Franz eine Karte zu bringen..

„Iſt der Herr noch draußen?“ rief Franz aufſpringend.

„Nein, Herr Doctor. Er fragte, ob Sie allein wären. Ich ſagte, Herr Bemperlein ſei noch im Zimmer. Da ſagte er, er wolle ein ander Mal wieder kommen und ging fort.“

„Wer iſt es?“ fragte Sophie.

„Oswald!“ erwiderte Franz.„Fatal; ich hätte ihn gern ge⸗ ſprochen.“