Erſter Band. 181
„Ja, er ſoll geſtehen; er ſoll geſtehen!“ rief das übermüthige Mädchen in die Hände klatſchend;„er ſoll ſich über dieſe verräthe⸗ riſche Röthe ſeiner Wangen verantworten. Angeklagter! ich frage Sie auf Ihr Gewiſſen: kennen Sie eine Dame mit braunem Haar und Augenpaar?“
„Aber, wie Sie auch fragen, Fräulein Sophie?“ erwiderte Herr Bemperlein, noch röther werdend als vorhin.
„Eure Rede, Angeklagter, ſei ja, ja! oder nein, nein! Was drüber iſt, iſt vom Uebel.“
„Nun denn: ja!“ ſagte Herr Bemperlein lachend.
„Haben Sie, als Sie von dem braunen Haar und Augenpaar ſprachen, an dieſe Dame gedacht?“
„Ja,“ antwortete Herr Bemperlein nach einigem Zögern.
„Da haben wir's! Er hat an ſie gedacht! Er hat an ſie ge⸗ dacht!“ rief Fräulein Sophie und ſchnippte vor Vergnügen mit den Fingern.
„Aber, wer iſt ſie?“ warf Franz ein.
„Wir werden es gleich erfahren.— Angeklagter, wohnt ſie in dieſer Stadt?“
„Ja.“
„Franz, nimm zu Protokoll: ſie wohnt in dieſer Stadt. An⸗ geklagter: ſehen Sie ſie oft?“
„Nein.“
„Hm! haben Sie ſie heute geſehen?“
„Aber, Fräulein So—“
„Keine Ausflüchte! Haben Sie ſie heute geſehen?“
„Nun, ich merke ſchon, ich komme beſſer weg, wenn ich nur gleich Alles offen geſtehe,“ ſagte Herr Bemperlein, der trotz ſeiner Be⸗ mühung, unbefangen auszuſehen, immer befangener geworden war. „So hören Sie denn, geſtrenger Herr Unterſuchungsrichter und Sie, diaboliſch lächelnder Herr Beiſitzer, die ſonderbare Geſchichte, die mir heute paſſirt iſt und die eigens darauf angelegt ſcheint, mich aus einer Verlegenheit in die andere zu bringen.“
„Erzählen Sie, Bemperchen! erzählen Sie,“ rief Sophie;„die Sache wird romantiſch.“


