Teil eines Werkes 
10. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 1. Band (1867)
Entstehung
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180 Durch Nacht zum Licht.

„Ich werde Ihnen eins ausſuchen, Bemperchen. Ich kenne Ihren Geſchmack, und weiß ganz genau, wie die zukünftige Frau Profeſſor Bemperlein beſchaffen ſein muß.“

„Da wäre ich doch neugierig“ ſagte Herr Bemperlein, ſich be⸗ haglich in ſeinem Lehnſeſſel zurechtrückend.

„Zuerſt,“ ſagte Sophie,„was das Aeußere betrifft— denn Sie legen doch auch etwas Gewicht auf das Aeußere, Bemperchen, oder nicht?“

„Doch, doch!“ ſagte Bemperlein eifrig.

„Nun wohl! ſo darf Ihre Zukünftige nicht eben groß ſein.“

„Weshalb nicht?“

„Weil Sie ſelbſt kein Rieſe ſind, Bemperchen, und Sie wiſſen: nur Gleich und Gleich geſellt ſich gern. Ich ſchlage deshalb vor, daß ſie zierlich und manierlich iſt, ein hübſches kleines Figürchen mit dunkelm Haar und dito Augenpaar, gewandt, anſtellig, munter und beweglich. Sind Sie's zufrieden?“

„Hm!“ ſagte Herr Bemperlein;„nicht übel; gar nicht übel! Weiter!“

„Sodann, was die Vermögensumſtände angeht, ſo darf ſie nicht reich ſein. Sie wiſſen, weshalb?“

„Weil ich mit dem Gelde doch nichts anzufangen wüßte?“

„Das meine ich. Habe ich recht?“

„Vollkommen. Aber nun erklären Sie mir noch nachträglich,

weshalb die in Frage ſtehende Dame gerade braunes Haar und braune

Augen haben ſoll?“

„Ich habe, ſo viel ich weiß, nur von dunkelm Haar und dunkeln Augen geſprochen; aber wenn Sie die braune Farbe gerade vor⸗ ziehen, Bemperchen—“.

„Ich vorziehen!“ ſagte Herr Bemperlein eifrig,„ich vorziehen! Warum nicht gar!“

„Bemperchen, Sie ſind roth dabei geworden! die Sache iſt ver⸗ dächtig! Meinſt Du nicht auch, Franz?“

„Höchſt verdächtig,“ beſtätigte Franz;„ich trage darauf an, daß der Inculpat auf das allerſchärfte inquiriret und auf jede Weiſe zu einem offenen und umfaſſenden Geſtändniß perſuadiret werde.“

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