Erſter Band. 179
Nacht bei ihm wachte, erzählte,„alsbald gefallen ſei, nachdem er noch eine Zeit lang mit gefalteten Händen abgebrochene Worte ge⸗ murmelt hatte.“
Franz ſagte, daß die Reconvalescenz von dieſem Augenblick raſch fortſchreiten werde und daß er jetzt die beſte Hoffnung für eine mög⸗ lichſt vollſtändige Wiederherſtellung habe. Sophie umarmte und küßte ihn für dieſe frohe Botſchaft und Herr Bemperlein ſchwur, daß er von heute Abend an außer den vier heiligen Evangeliſten noch einen höchſt unheiligen, Namens Franziskus, kenne und verehre.
Sie hatten ſich um den Kamin herumgeſetzt. Der Dampf der Theemaſchine und der Rauch der Cigarren, welche ſich die Herren angezündet hatten, ſtieg in Wolken zu dem olympiſchen Zeus hinauf, der nun zu einem behaglichen Jupiter Fenius wurde. Franz war in einer eigenthümlich aufgeregten Stimmung, die ſich Sophie durch die Freude über die günſtige Wendung, welche die Krankheit des Vaters genommen hatte, erklärte, die aber einen noch ganz andern Grund hatte. Es war die nervöſe Erregung, die auch den Muthigſten vor dem Beginn der Schlacht überkommt, und Franz fühlte und wußte, daß der Kampf des Lebens heute für ihn in Wahrheit ent⸗ brannt war. Hatte er doch die ernſteſten Verpflichtungen, die von unabſehbaren Folgen für ſeine, für Sophiens Zukunft ſein konnten, übernommen! Lag doch von heute an die ungeheuerſte Verantwortung auf ſeinen Schultern! Sah er doch plötzlich das Meer, auf welchem das Fahrzeug ſeines und ihres Glückes ſchwamm, von den gefähr⸗ lichſten Klippen angefüllt, die ſicher zu durchſteuern, es eines allzeit klaren Kopfes, eines allzeit muthigen Herzens, einer allzeit feſten Hand bedurfte! Sophie ahnte nicht, was ihr Verlobter empfand, als ſie jetzt, in Gemeinſchaft mit Bemperlein, anfing, ſich die Zukunft nach ihrem Geſchmack auszumalen— ein kleines, behagliches Paradies voll Ruhe, Frieden und Sonnenſchein.
„Sie müſſen auch heirathen, Bemperchen,“ rief ſie.
„Mit dem größten Vergnügen,“ erwiderte Herr Bemperlein; „finden Sie nur erſt die Hauptſache.“
„Das wäre?“
„Ein Mädchen, das mich lieben will und das ich lieben kann.“
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