Teil eines Werkes 
10. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 1. Band (1867)
Entstehung
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Erſter Band. 173

der beſcheidenen Wohnung, die er ein paar Häuſer von dem des Geheimraths gemiethet hatte, geholfen; ſie machte mit ihm, und manchmal auch ohne ihn, die nöthigen Einkäufe. Ja, ihre Sorgfalt erſtreckte ſich noch weiter. Sie ſtutzte ihn auch in ſeiner geſellſchaft⸗ lichen Haltung, die manches zu wünſchen ließ, zurecht. Sie machte ihn darauf aufmerkſam, daß es nicht ſchicklich ſei, Herren, mit denen man ſpreche, fortwährend am Rockknopf feſt zu halten, und Damen bei Tiſch, ſie möchten ſo langweilig ſein, wie ſie wollten, conſequent den Rücken zuzuwenden.„Sie müſſen dies durchaus thun, Bemper⸗ chen! Sie müſſen dies nothwendig laſſen, Bemperchen!“ ſo hof⸗ meiſterte die junge Dame bei jeder Gelegenheit, und der gutmüthige Mann gehorchte auf's Wort und fühlte ſich glücklich und ſtolz, wenn es ein ander Mal hieß:„Bemperchen, das haben Sie gut gemacht. Sie waren heute Abend ganz der Cavalier, Bemperchen!“ Bemperlein ſchwärmte bald für Fräulein Robran faſt noch mehr, als er für Frau von Berkow geſchwärmt hatte. Dieſe blieb doch immer trotz ihrer Güte und Freundlichkeit in ſeinen Augen die vornehme Dame, die Wohlthäterin, die Herrin; und der Eindruck, den ſie auf ihn gemacht hatte, als er, ein armer, ſchüchterner, unbehilflicher Candidat der Theologie, an einem ſchönen Sommernachmittag auf Berkow anlangte und vom alten Baumann zur gnädigen Frau geführt wurde, hatte ſich in den langen ſieben Jahren, die er in ihrem Hauſe zugebracht hatte, nicht wieder verwiſcht. Sophie aber war gar nicht vornehm; ſie neckte ſich ſo luſtig mit Einem; ſie blickte Einem ſo treu⸗ herzig in die Augen; ſie machte ſo gar keine Anſprüche; man konnte mit ihr ſprechen, wie mit ſeinesgleichen; man konnte ſie brüderlich lieb haben, ohne einen Schauer der Ehrfurcht dabei zu empfinden. Und eine ſolche brüderliche Liebe empfand denn nun Bemperlein für das herzige Mädchen. Es würde ihm, ſelbſt wenn ſie nicht ver⸗ lobt geweſen wäre, niemals in den Sinn gekommen ſein, ſich 4j zu verlieben. Aber mit Allem, was ſie betraf, ſympathiſiren, ihren Bräutigam, den er bald darauf kennen lernte, für den liebenswürdig⸗ ſten, trefflichſten Menſchen erklären; ihr jeden Gefallen, den er ihr an den Augen abſehen konnte, thun, und, als der Geheimrath den Schlaganfall bekam, bis zu Franz' Rückkehr mit ihr, und nachdem