Teil eines Werkes 
10. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 1. Band (1867)
Entstehung
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172 Durch Nacht zum Licht.

perlein.„Nun, das freut mich ſehr. So können wir doch heute Abend endlich einmal zu Abend eſſen, ohne daß uns wie in den letzten vierzehn Tagen jeder Biſſen vor Wehmuth und Trauer im Munde ſtecken bleibt. Ad vocem Abendeſſen: wie ſteht es damit, Fräulein Sophie? ich, der ich nicht, wie Sie, das Glück habe, mit dem Nektar der Liebe meinen Durſt und mit der Ambroſia traulichen Geſchwätzes meinen Hunger ſtillen zu können, empfinde eine nicht mißzudeutende Regung nach irdiſcher Speiſe und Trank.“

„Ich glaube, das Abendeſſen ſteht ſchon ſeit einer halben Stunde auf dem Tiſch,“ ſagte Sophie;„ich hatte es wahrhaftig ganz ver⸗ geſſen.“

„So laſſen Sie uns keine Minute länger zögern;“ ſagte Bemper⸗ lein, Sophie den Arm bietend und ſie den wohlbekannten Weg in das anſtoßende Gemach führend, in welchem ſtets geſpeiſt wurde.

Fräulein Sophie und Herr Bemperlein waren große Freunde. Der treffliche Mann hatte zu jeder Zeit ſeines Lebens irgend Jemand gehabt, dem er ſeine Huldigung und ſeine Liebe weihen konnte. Als er nun nach Grünwald übergeſiedelt war, fühlte er ſich in den erſten Tagen grenzenlos verwaiſt und elend. Der Mittheilung bedürftig und kindlich vertrauensvoll, wie er war, hatte er gleich am erſten Abend, als er beim Geheimrath Robran von Berger eingeführt wurde, Fräulein Sophie, deren große blaue Augen ihn wunderbar anmutheten, all ſein Herzeleid geklagt. Sophie hatte dem kleinen, lebhaften Mann, der ihr, als ob es nicht anders ſein könnte, mit homeriſcher Naivetät ſein ganzes volles Herz ausſchüttete, nicht nur mit großer Aufmerkſam⸗ keit zugehört, ſondern ihm auch zuletzt, als er mit den Worten ſchloß: „Das iſt nun auf immer vorbei! auf immer vorbei!“ mit herz⸗ gewinnender Freundlichkeit die Hand gereicht und geſagt:„Kommen Sie recht oft zu uns, Herr Bemperlein! Vater meint es gut mit Ihnen und ich auch. Wir wollen verſuchen, ob wir Ihnen Ihr Berkow nicht wenigſtens einigermaßen erſetzen können.“

Es war eine ſeltſame Freundſchaft zwiſchen den Beiden! Sophie, obgleich ſie um zwölf Jahre jünger war, wie Bemperlein, war der ermahnende, rathgebende, zurechtweiſende Mentor, er der gehorſame, aufmerkſame, gelehrige Telemach. Sie hatte ihm beim Arrangement

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