56 Durch Nacht zum Licht.
ſicht, daß es mit Sr. Majeſtät Verſprechungen eitel Wind iſt, daß iſt der Weisheit Anfang— wie es denn auch ihr letzter Schluß iſt.“
Dieſe Worte ſprach Berger mit plötzlich abfallender Stimme, wie zu ſich ſelbſt. Er achtete des jungen Mannes nicht weiter, der mit einem unbeſchreiblich traurigen Geſicht, den Hut in der Hand, daſtand; auch Oswalds nicht, der ſchweigend und durch die eben erlebte Scene auf's peinlichſte berührt, neben ihm her weiter ſchritt.
Berger mußte ahnen, was in der Seele ſeines Begleiters vor⸗ ging, denn als ſie durch die Pforte, die ihnen ohne Weiteres geöffnet wurde, getreten waren und nun auf der Landſtraße, die erſt an dem Fluß entlang, dann über eine Brücke auf das jenſeitige Ufer und von dort höher und immer höher in die Berge führte, dahinſchritten, unterbrach er plötzlich das Schweigen und ſagte:
„Du wunderſt Dich, daß ich mit dem armen Schelm nicht glimpf⸗ licher verfuhr, daß ich ihm ſeine wahnwitzigen Illuſionen ſo grauſam zerſtörte. Dieſe ſcheinbare Grauſamkeit iſt im Grunde Wohlthat.“
„Wer iſt der Unglückliche?“
„Ein Graf Maltan aus unſerer Gegend. Er hat binnen wenigen Jahren ein Vermögen von einer halben Million in ſinnloſen Aus⸗ ſchweifungen durchgebracht. Jetzt hofft und harrt er auf den fabel⸗ haften Kaiſer, der ihm wiederbringen ſoll, was er verlor.“
„Aber wenn der junge Mann dadurch, daß Sie ihm dieſen ein⸗ zigen letzten Troſt rauben, den ſchwachen Reſt ſeines Verſtandes vollends verliert—“
„Du ſprichſt, wie Doctor Birkenhain. Ich muß lachen, wenn ich ſehe, wie dieſer Mann in ſeinem blinden Optimismus ſich gegen die Kraft, die den Menſchen unaufhaltſam zur Vernichtung treibt, ſtemmt, dem Kinde gleich, das einen Strom mit ſeinen Händchen auf⸗ zuhalten verſucht. Mein Studium hier beſteht in der Beobachtung dieſes eigenthümlichen Kampfes, der erhaben ſein würde, wenn er nicht lächerlich wäre. Dieſe Aerzte tappen im Dunkeln, wie bei einem Blindekuhſpiel, und glauben die Krankheit zu curiren, wenn ſie die Symptome fortſchaffen. Sie wiſſen nicht, ſie ahnen nicht, daß eben das Leben ſelbſt der Schuh iſt, der uns drückt, das Neſſuskleid, das uns bei lebendigem Leibe verbrennt und das dieſen Schuh auszuziehen,
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