Erſter Band. 51
trank, iſt ihm ein Gräuel; er mag nichts davon hören und ſehen. Und nun noch eins: wie lange gedenken Sie in Fichtenau zu ver⸗ weilen?“
„Vier bis fünf Tage höchſtens.“
„Sehr gut; ich wollte Sie eben bitten, Ihren Beſuch nicht län⸗ ger auszudehnen. Es handelt ſich darum, auf Berger einen bedeuten⸗ den Eindruck zu machen, und zu der Freude, Sie wiederzuſehen, muß der Schmerz kommen, Sie ſo bald wieder zu verlieren. Bielleicht, daß wir ihn ſo in die Welt zurück locken, von der er ſich jetzt voll Ekel abwendet.“
„Iſt Berger von meiner Anukunft unterrichtet?“
„Nein; ich wollte auch die Ueberraſchung zu Hülfe nehmen. Damit wir den Eindruck ganz rein haben, werde ich Sie nicht zu ihm begleiten. Sie werden mir dann ja erzählen, wie er Sie empfan⸗ gen hat. Er pflegt um dieſe Zeit ſeinen Spaziergang in die Berge zu machen, den er manchmal bis in den Abend ausdehnt. Ich laſſe ihn ganz frei gewähren, da jede Reſtrietion ſchädlich ſein würde, wie es denn überhaupt jetzt nur noch ſein freier Wille iſt, der ihn hier hält. Begleiten Sie ihn auf dieſem Spaziergange, die Herzen erſchließen ſich unter dem Himmelsdome leichter, als unter einer Zimmerdecke.
„Noch eins;“ fuhr Doctor Birkenhain fort, während ſie ſich von ihren Plätzen erhoben;„Sie werden Berger auch in ſeinem Aeußern verändert finden; ſuchen Sie auch da, mit aller Schonung natürlich, einzuwirtdd. Solche ſcheinbaren Kleinigkeiten ſind von der größ Bedeutung; ein fehlender Handſchuhknopf kann einen Dandy um ſeine gute Laune bringen und wir haben eine andere Stimmung im Schlaf⸗ rock und eine andere im Frack.— Nun wollen wir gehen, wenn es Ihnen recht iſt; ich will Sie ſelbſt bis an Bergers Thür bringen.“
Die beiden Herren gingen aus dem Empfangszimmer auf den mit Steinflieſen ausgelegten Flur, die breiten ſteinernen Treppen hinauf, durch hohe, helle, luftige Corridore.
Es begegneten ihnen mehrere Perſonen, die Oswald nicht für Kranke gehalten haben würde, wenn Doctor Birkenhain es ihm nicht geſagt hätte; ſo vernünftige Antworten gaben ſie auf die hingewor⸗ fenen Fragen des Arztes.
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