Teil eines Werkes 
10. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 1. Band (1867)
Entstehung
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Erſter Band. 4¹

„Aber ich begreife nicht, weßhalb Sie Anſtand nehmen, mir das Wenige, was Sie von der Frau wiſſen, mitzutheilen.“

„Hm,“ ſagte Herr Schmenckel;„vielleicht iſt das, was ich weiß, ſo wenig nicht. Wenn man Jemand dreizehn Jahre lang in ſeiner Geſellſchaft gehabt hat—“

„Aber ich habe ja die Zigeunerin erſt in dieſem Sommer auf— gleich viel! aber weit von hier, und allein getroffen.“

„Wohl möglich,“ ſagte der ſchlaue Director;„es iſt heute Abend nicht das erſte Mal, daß mir die Tenobi weggelaufen iſt, aber ſie iſt noch jedesmal wiedergekommen.“

„Seit dreizehn Jahren!“ ſagte Oswald, dem dieſes Märchen durchaus glaublich ſchien;„wie alt war denn das Kind, als ſie zu Ihnen kam?“

„Wie alt?“ ſagte Herr Schmenckel;„ei! Euer Gnaden, als ſie zu mir kam, hatte ſie kein Kind— das muß ich am beſten wiſſen Hi, hi, hi!“

„Sie?“ ſagte Oswald und ein Schauder überlief ihn,„Sie?“

„Nun weßhalb ich nicht, Euer Gnaden? Schau ich Euer Gna⸗ den aus, als ob ſich ein hübſches junges Ding nicht in mich ver⸗ lieben könnte, das noch dazu bei mir in Lohn und Brot ſtand? Ich ſage Euer Gnaden, ich hab' noch ganz andere Eroberungen in meinem Leben gemacht. Sind Euer Gnaden je in Petersburg geweſen? Da iſt die Fürſtin— aber freilich, ich darf über dieſe Dame nicht ſo ſprechen wie—“

„Mit einem Worte,“ ſagte Oswald, ſich gewaltſam zuſammen⸗ raffend:„ſo iſt die Czika Ihr Kind?“

„Beſchwören will ich's nit,“ ſagte Herr Schmenckel lächelnd; „aber daß es mein's ſein könnte und ich es immer als mein's ange⸗ ſehen habe, das kann ich beſchwören, Euer Gnaden.“

„Und Sie glauben, daß die Zigeunerin ſich wieder einſtellen wird?“

„O, darauf können ſich Euer Gnaden verlaſſen; ſie hat es nir⸗ gends ſo gut wie bei mir.“

„Aber warum entfernt ſie ſich denn ſo oft von Ihnen?“ „Ja ſchaun's, Ihr Gnaden! Die Weiber ſind ein wunderli