Teil eines Werkes 
10. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 1. Band (1867)
Entstehung
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40 Durch Nacht zum Licht.

Herren— Director Schmenckel läßt ſich durch ſo etwas nicht aus der Faſſung bringen— wir haben noch andere Mittel, ein hochge⸗ ſchätztes Publikum zu unterhalten, und Sie ſollen ſehen, daß die Vor⸗ ſtellung, die ich morgen mit hoher obrigkeitlicher Bewilligung— was beliebt dem Herrn? wünſchen mich zu ſprechen? ſteh' zu Dienſten— ein Director muß immer auf dem Platze ſein“— und Herr Schmenckel folgte Oswald, der ihn um eine Unterredung gebeten hatte, um ſo lieber, als die Erſcheinung eines elegant gekleideten Herrn, welcher es nicht verſchmähte, Herrn Schmenckel in der Grünen Mütze auf⸗ zuſuchen, ein Umſtand war, der nicht verfehlen konnte, einiges Auf⸗ ſehen zu erregen.

„Was befehlen Euer Guaden,“ fragte Herr Schmenckel, als ſie draußen waren.

„Ich wollte Sie bitten, mir, wo möglich, über die Zigeunerin, die, wie ich höre, ſich erſt heute Abend von ihrer Geſellſchaft entfernt hat, einige Auskunft zu geben,“ erwiderte Oswald.

Herr Schmenckel ſtutzte; die Frage kam ihm verdächtig vor; er warf bei dem Licht der Laterne vor dem Hauſe, denn die Scene ſpielte auf der Straße, einen prüfenden Blick in Oswalds Geſicht und erkannte den Herrn, der die Czika umarmt hatte. Herr Schmenckel wußte ſofort, woran er war. Dieſer junge Herr war ein ungeheuer reicher Graf, der die Manie hatte, ſich für Zigeuner beſonders zu intereſſiren, Zigeunerkinder zu kaufen und was dergleichen Narrheiten mehr ſind. Herr Schmenckel bedachte, daß die Zigeunerin möglicher⸗ weiſe wiederkommen, und daß er dann den Preis für das Kind um ſo höher anſetzen könnte, je größer ſeine Anrechte an demſelben wären.

„Hm,“ ſagte er, um Zeit zur Ueberlegung zu gewinnen,„weßhalb wollen Euer Gnaden das wiſſen?“

„Das kann Ihnen gleich ſein,“ antwortete Oswald;„genug, wenn ich die Auskunft, die ich wünſche, nicht umſonſt haben will;“ und er drückte Herrn Schmenckel einen Thaler in die Hand.

„Danke Euer Gnaden,“ erwiderte Herr Schmenckel, welcher ſich durch Oswalds Freigebigkeit in ſeinem Verdachte beſtärkt ſah,„in⸗ deſſen möcht' ich doch gern—“