Erſter Band. 39
ſolches Pandämonium geſchleudert ſeien, war ihm entſetzlich und be⸗ feſtigte in ihm den Entſchluß, ſie, koſte es, was es wolle, daraus zu erlöſen. Er drängte ſich durch die Streitenden und Scheltenden, die ſeiner gar nicht achteten, hindurch, ſich bei Dieſem, bei Jenem nach der Urſache des Streits und nach der Zigeunerin und ihrem Kinde erkundigend. Niemand hatte Zeit oder Luſt, ihm Rede zu ſtehen, bis er ſich endlich zufällig an einen jungen Menſchen wandte, der etwas weniger wüſt als die übrige Geſellſchaft ausſah, und der ihm er⸗ zählte: es ſeien ein paar von der Seiltänzerbande davongelaufen— eine Zigeunerin mit ihrem Kinde— und darüber ſei die Schlägerei entſtanden. Uebrigens ſei der Mann dort, der ſich eben das Blut aus dem Geſicht wiſche und ſo lebhaft geſticulire, der Director der Truppe und an den möge ſich der Herr nur wenden, wenn er noch mehr wiſſen wolle.
Oswald athmete bei dieſen Worten des jungen Menſchen hoch auf. Renobi und Czika waren fort, gleichviel wohin, wenn ſie nur aus dieſer Hölle erlöſt waren. Er überlegte einen Augenblick, ob es nicht gerathener ſei, umzukehren, ohne ſich mit den Seiltänzern weiter einzulaſſen; aber das Verlangen, mehr zu erfahren— vielleicht den Ort, wohin ſich Fenobi möglicherweiſe hingewendet haben könnte, überwand dieſe Bedenken und er trat auf die Perſon zu, welche ihm als der Chef der Geſellſchaft bezeichnet war.
Herr Director Schmenckel hatte mit der, ſeinem vielgewandten Geiſte eigenen Elaſticität, die verlorene Harmonie ſeiner Seele in dem Kampfe, aus welchem er ſo eben, mit ehrenvollen Wunden vedeckt, hervorgegangen war, wiedergefunden. Er beſaß, ſobald ſich nur der erſte Sturm der Leidenſchaft gelegt hatte, in einem hohen Grade jene philoſophiſche Reſignation, welche ſich in das Unvermeidliche mit Würde ſchickt, und zu einem ſchlechten Spiel eine möglichſt gute Miene macht. Da die Zigeunerin einmal weg war, ſo konnte er ſich durch Lamentiren darüber nur noch lächerlich machen, und einem edlen Charakter ziemt es, zu vergeſſen und zu vergeben. Er that deshalb, als ob nichts geſchehen ſei, was er nicht ſchon längſt erwartet hätte. „Undankbarkeit iſt der Welt Lohn.— Wie gewonnen, ſo zerronnen.— Heute mir, morgen dir!— Laſſen's uns wieder niederſitzen, ihr


