Erſter Band. 37
Walde verirrte, zuerſt begegnet waren und ſo gleichſam ſein Verhält⸗ niß zu Melitta vermittelt hatten; die hernach auf ſo ſeltſame Weiſe in ſeine Bekanntſchaft mit Oldenburg verflochten wurden,— noch ein anderes Gefühl, das Oswald zu raſchem Handeln trieb. Die Dank⸗ barkeit, zu welcher ihn Oldenburgs ritterliche Hülfe bei Bruno's Tod und in dem Duell mit Felix verpflichtet hatte, drückte ihn. Er mochte einem Manne nicht verpflichtet ſein, gegen den er von vornherein eine faſt inſtinctive Abneigung empfunden, den er hernach während ſeiner Liebe zu Melitta als ſeinen Nebenbuhler gefürchtet hatte; einem Manne, deſſen kühne Kraft ſeinem ſchwankenden Geiſte, ſo ſehr er ſich dagegen ſträubte, gewaltig imponirte, und den er dennoch— der Himmel weiß, mit welchem Recht!— der Charakterloſigkeit und Zweideutigkeit des Betragens zieh; ja, von dem er, wenn Oldenburgs und Melitta's Verhältniß dem Bilde entſprach, welches die Barnewitz und andere Geberdenſpäher und Geſchichtenträger davon entwarfen— während der ganzen Zeit auf die demüthigendſte Weiſe düpirt worden war. Gelang es ihm jetzt, dieſem befreundeten Feinde einen großen Dienſt zu leiſten, ihm ſein Kind, welches er ſchon verloren gegeben hatte. wieder zuzuführen— ſo war die drückende Schuld der Dankbarkeit abgetragen, ſo war die Rechnung quitt, und Oswald Stein brauchte vor dem Baron Oldenburg, wenn das Schickſal ſie einmal feindlich gegenüberſtellte— und der junge Mann ahnte, daß ein ſolcher Augenblick irgend einmal kommen werde— nicht die Augen beſchämt niederzuſchlagen.
Dieſe Gedanken und Empfindungen erfüllten Oswalds Seele, während er in Begleitung des Hausknechts aus dem„Curhauſe“ durch die ſtillen Straßen des Städtchens nach der„Grünen Mütze“ ſchritt, die ihm von Franz als das Hauptquartier der Seiltänzer bezeichnet worden war. Franz ſelbſt war im Curhauſe zurückgeblieben, da er zu discret war, ſich in ein Geheimniß zu drängen, welches man vor ihm verbergen zu wollen ſchien. Oswald hatte nämlich, als er ihm lachend erzählte, wie er es angefangen habe, den Leuten die wunder⸗ liche Scene mit dem Seiltänzerkinde zu erklären, ein Schweigen beob⸗ achtet, das Franz kaum anders auslegen konnte, als: ſein Gefährte wolle oder dürfe über dieſe Angelegenheit ſich nicht weiter auslaſſen.


