Erſter Band. 19
ſtarren Augen auf das Städtchen herabſah, den Beſuch ſo viel als thunlich abzukürzen, und den Freund während der Dauer deſſelben ſo wenig als möglich mit Berger allein zu laſſen.
Drittes Capitel.
Die Sonne war bereits ſeit einer halben Stunde hinter dem breiten Rücken des tannenbewaldeten Hügels, der Fichtenau von der Weſtſeite einſchließt, untergeſunken, als der Wagen mit den beiden Freunden aus den Bergen beraus in die Thalebene gelangte, in welcher das Städtchen liegt. Die müden Pferde, erfreut über den glatten Boden und das leichtere Rollen des Wagens, griffen wacker aus in der ſichern Hoffnung auf baldigen Abendhafer, und angefeuert durch die ſchrillen Töne einer Clarinette, die nebſt obligaten dumpfen Trommelſchlägen aus einem dichten Kreis von Menſchen herüber⸗ tönten, welcher ſich auf der Gemeindewieſe unmittelbar vor dem Ein⸗ gang in das Städtchen um eine Seiltänzerbande verſammelt hatte. Der Weg führte an dieſem Orte vorüber und da die gaffende Menge die etwas höher liegende Landſtraße dicht beſetzt hatte, war der Kutſcher genöthigt, langſamer zu fahren und zuletzt, da die Leute trotz ſeines Scheltens und Fluchens ſich in der Luſt des Schauens nicht ſtören ließen und wie angenagelt auf ihren Plätzen ſtanden, ſtill zu halten.
Allerdings konnte man den guten Leuten ihre Unhöflichkeit nicht ſo hoch anrechnen, denn in dieſem Augenblicke gaben die wandernden Künſtler ihr vorzüglichſtes Stück, welches ſie immer bis zum Schluß der Vorſtellung aufſparten, um ihre Zuſchauer mit einem möglichſt günſtigen Eindruck zu entlaſſen.
Aus dem kleinen Circus war bis zu dem Gipfel einer mäßig hohen, aber breitaſtigen Eiche, welche den Gemeindeanger ſchmückte, ein Seil geſpannt, von dem dünnere Stricke rechts und links nach dem Boden liefen, wo ſie von ſtämmigen Burſchen, die ſich im In⸗ tereſſe der Kunſt freiwillig zu dieſem Dienſt erboten hatten, feſt⸗
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