Teil eines Werkes 
10. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 1. Band (1867)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Erſter Band. F

Es war ein unergründlich wunderlicher Mann, ſchon in ſeiner äußern Erſcheinung. Denken Sie ſich eine faſt zwerghafte, aber ſehr wohl proportionirte, außerordentlich gewandte und bewegliche, Som⸗ mer und Winter, früh und ſpät mit einem ſchwarzen abgeſchabten Frack, ſchwarzen Kniebeinkleidern, ſchwarzen Strümpfen und Schnallen⸗ ſchuhen bekleidete Geſtalt, die, es mochte die Sonne ſcheinen oder regnen, ſtets mit dem Hut in der Hand über die Straßen ging. Denken Sie ſich auf dieſer kleinen Geſtalt einen, vielleicht im Ver⸗ hältniß etwas zu großen Kopf, mit einer feſten, an den Schläfen kahlen Stirn, unter der ein paar ſtechende Augen hervorblitzten, und mit einem Geſicht, das, ſcharf und fein und ſtreng, das Lachen ent⸗ weder nie gekannt hatte, oder es ſeit vielen, vielen Jahren verlernt zu haben ſchien ſo haben Sie das Bild meines Vaters, desalten Candidaten, wie ihn in W.... Jedermann und ſelbſt die Gaſſen⸗ jungen nannten, mit denen ich, wenn ſie ſich über ſeine Erſcheinung luſtig zu machen wagten, manchen blutigen Strauß ehrlich ausgefoch⸗ ten habe.

Uebrigens paßte, außer etwa dem Beiwortalt, jener Spitz⸗ name gar nicht auf meinen Vater. Er hat ſich, ſo viel ich weiß, in ſeinem Leben um kein Amt, weder geiſtliches noch weltliches, bewor⸗ ben; und er wäre auch, trotz ſeiner eminenten Gelehrſamkeit, zu kei⸗

nem tauglich geweſen, denn er hätte ſich bei ſeiner wunderlichen,

Gemüthsart und ſeinen Sonderlingslaunen in keins zu fügen ver⸗ ſtanden.

Welche bitteren Erfahrungen, welch' trauriges Geſchick meinen Vater zu dem wunderlichen Heiligen, der er war, gemacht hatten, ich habe in ſpäteren Jahren oft und vergebens darüber geräthſelt. Es war ein menſchenſcheuer Hypochonder, der, ſo weit es ihm mög⸗ lich war, jede Berührung mit der Geſellſchaft auf's ſorgfältigſte mied, und der in Folge deſſen auch von Jedermann aufs ſorgfältigſte ge⸗ mieden wurde. Die, welche auf Bildung und Religiöſität Anſpruch machten, erklärten ihn für einen Cyniker, weil er ſich von allen geſell⸗ ſchaftlichen Formen emancipirt hatte, und für einen Atheiſten, weil er ſich niemals in einer Kirche ſehen ließ; der Pöbel bekrenzigte ſich vor ihm, wie vor einem, der offenbar mit dem Gottſeibeiuns in