——
Dritter Band. 233
„Das klingt ja gerade wie ein perſönlicher Vorwurf für mich,“ ſagte der Andere lächelnd.
„Für Sie, lieber Wolfgang? nein, gewiß nicht! Sie kann man dort auch nicht brauchen— zum Glück für mich. Was ſollte ich ohne Sie anfangen?“
„Und haben ſich doch ſo lange ohne mich beholfen.“
„Behelfen müſſen! weil ich Niemand hatte, der auf meine Ideen einging, eingehen konnte. Und wahrhaftig: es war Zeit, daß ich Sie fand; die Sachen wuchſen mir zuletzt über den Kopf; ſo lange man jung iſt, glaubt man Alles ganz allein thun zu können; je älter man wird, deſto mehr kommt man zur Einſicht, daß unſere Kraft doch ſehr beſchränkt iſt und daß wir nur in Gemeinſchaft mit Anderen eine Garantie für den Erfolg unſrer Beſtrebungen haben. So iſt mir auch die Verbindung mit Ihrem Onkel unſchätzbar. Er iſt ein volks⸗ wirthſchaftliches Genie; ſein Syſtem des Credit-, Sparkaſſen⸗ und Conſum⸗Vereinsweſens, wie er es mir heute Mittag entwickelt hat, iſt bewunderungswürdig. Auf den ſtarken Schultern dieſes Mannes ruht wahrlich ein Theil der Zukunft nicht blos Deutſchlands, ſondern Europa's, ja der ganzen Welt. Ich rechne es mir zu einem der größten Glücksfälle meines Lebens, daß es mir vergönnt war, einen ſolchen Mann zu dem Einen verholfen zu haben, woran es ihm von je gefehlt hat: zu einem ordentlichen Capital. Und wie haben ſich unſere Fabriken gehoben, ſeitdem er die Commiſſion für Deutſchland übernommen hat. Wir werden einen glänzenden Jahresabſchluß haben.“
Herr von Degenfeld rieb ſich vergnügt die Hände und blickte an dem hohen Gerüſt hinauf, auf welchem die Leute noch munter arbeiteten.*
„Wie das wächſt!“ ſagte er.„Und wie ich mich ſchon auf das nächſte Jahr freue! Von allen Enden werden ſie herbeiſtrömen. Das Curhaus ſoll in kürzeſter Friſt ein weltberühmter Name ſein. Wo auf der Erde giebt es einen Ort, der, wie dieſer, Alles vereinigt, einen zerrütteten Organismus wieder zur Geſundheit zu ſtimmen: mildeſtes Klima, reinſte Luft und eine Natur, die den größten Hypo⸗
chonder zum Glauben an die Herrlichkeit der Welt bekehren muß.


