224 Die von Hohenſtein.
Antonie auch nur eine Spur von Vergebung hätte blicken laſſen. Worüber brütete ſie? Der Obriſt war ein tapferer Mann, aber Antoniens Haltung war ihm ſehr unheimlich. Er hatte ſchon die verſchiedenſten Verſuche gemacht, ſich ihr wieder zu nähern; immer war er wie heute zurückgewieſen worden. Er hatte ſich vorgenommen, ſich die ſchöne Frau und das Verbrechen, das er an ihr begangen, aus dem Sinne zu ſchlagen; aber es war ihm unmöglich. Wie mit magiſcher Gewalt zog es ſeine Gedanken wieder und immer wieder auf den einen Punkt. Er wußte nicht, ob er Antonie liebe oder haſſe; das eine Mal hätte er ſie mit kaltem Muthe morden, das andere Mal ſich vor ihr niederwerfen und den Staub von ihrem Wege küſſen mögen. Es war, als er damals den entſetzlichen Handel mit An⸗ tonien abſchloß, nicht ſeine Abſicht geweſen, Münzer zu verderben; er hatte wirklich den Preis ſeiner böſen Luſt bezahlen wollen; aber der Haß, den ihm ſein Opfer gezeigt, der quälende Gedanke, daß in den Reizen, die ihm ſelbſt im Genuß mißgönnt waren, der Neben⸗ buhler geſchwelgt habe und wieder ſchwelgen werde, hatten ihm am folgenden Tage zum wortbrüchigen Verräther gemacht. Er hatte ſeit⸗ dem keinen ruhigen Augenblick gehabt; es war, als ob jene ſchlimme Stunde ſein Blut vergiftet habe; ſobald er die Augen ſchloß, ſah er das von Zorn, Schaam, Haß und Rachedurſt verzerrte ſchöne Geſicht. Der kalte, freche Wollüſtling, der in ſeinem Leben nie das mindeſte Mitleid mit ſeinen Opfern gehabt hatte, fühlte ſich in dem Bann einer abergläubiſchen Furcht, die er wegzuſpotten und weg⸗ zuſchwelgen ſuchte.
Antonie war noch ein paar Augerblide in der Niſche ſtehen ge⸗ blieben, und hatte dem Obriſt mit dem Blick eines Dämons, der tödten muß und tödten will, nachgeſehen.„Er oder ich,“ murmelte ſie,„oder wir Beide.“
Die Stunde der Rache war gekommen; ſobald ſie Münzer befreit und in die Arme ſeiner Gattin zurückgeführt hatte, ſollte es geſchehen. Das hatte ſie ſich mit fürchterlichen Eiden tauſendmal geſchworen. Ob ſie ſelbſt dabei zu Grunde gehen würde— ſie dachte kaum daran, und wenn ſie daran dachte, war es ihr gleichgiltig. Was war ihr das Leben? ein Leben unter dem entſetzlichen Druck einer Erinnerung,


