Dritter Band. 223
Liebenswürdigkeit— und dieſe Liebenswürdigkeit ſtand dem blaſſen Geſicht und dem dunklen Lodern der unergründlichen Augen ſo ſonder⸗ bar!„Wenn ich eine Sphinx oder eine Meduſe zu malen hätte— Sie müßten mir dazu ſitzen!“ flüſterte Kettenberg, indem er ſich über die Lehne ihres Stuhls beugte.
„Ah, da ſind Sie!“ rief Antonie,„ich muß Ihnen doch auch mein Compliment über Ihre Arrangements machen. Alle Welt iſt Ihres Lobes voll.“
Sie ſtand auf und trat, ſcheinbar in gleichgiltigem Geſpräch mit dem Maler, in eine Fenſterniſche:
„Heute!“
„Wann?“
„Um zehn.“
„Alles ſteht gut?“
„Ja; und hier?“
„Vortrefflich! ich ſpiele meine Rolle aber auch zum Entzücken— toller, als je, ſage ich Ihnen. Haben Sie keine Sorge, gnädige Frau, daß man uns beargwohnt. Die hier“(und der Maler wies mit dem Daumen über die Schulter in den Saal)„haben genug mit ſich ſelbſt zu thun. Ich ſage Ihnen: hier gehen Dinge vor!“—
„Still! wir werden beobachtet! laſſen Sie mich allein!“
Der Maler beſchrieb mit der rechten Hand einige kühne Be⸗ wegungen, lachte laut, verbeugte ſich und trat von der Niſche zurück..
Der Obriſt von Hohenſtein ſtrich, wie von ungefähr, an der Stelle, wo Antonie ſtand, vorbei und ſagte, als er in ihrer unmittel⸗ baren Nähe war:
„Krieg oder Frieden?“
Antonie antwortete nicht; ihre Augen ſprühten Blitze tödtlichen Haſſes; ſie fuhr mit der rechten Hand nach ihrem Herzen und ließ dieſelbe dann langſam wieder ſinken.
„Pah,“ ſagte der Obriſt;„Sie ſollten vernünftig ſein und Frie⸗ den mit mir machen; er iſt ja nun fort, oder doch paſſabel ſicher ver⸗ ſteckt; was wollen Sie mehr?“
Antonie antwortete nicht, regte ſich nicht. Der Obriſt zuckte die Schultern und ging weiter. Er hätte viel darum gegeben, wenn


