Teil eines Werkes 
9. Band, Die von Hohenstein : Roman : 3. Band (1867)
Entstehung
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Dritter Band. 221

das er leiſe, ganz leiſe öffnete, und durch das Fenſter ſtreiche die Nachtluft kalt herein, kälter, immer kälter, und zwiſchen die Kohlen im Kamin und ihm ſelbſt ſchöbe ſich langſam das Geſicht des Kilian und ſtarrte ihn mit gierigen Augen an.

Mit einem Angſtſchrei fuhr der alte Mann aus ſeinem lethargi⸗ ſchen Zuſtand in die Höhe. Er hatte das Geſicht des Kilian nicht geträumt; da kauerte der Menſch vor ihm und reckte die Hände nach ſeinem Halſe. Er griff nach der Klingelſchnur und riß daran mit der Kraft der Verzweiflung.

Schneid' die Schnur durch, Jean! rief der Kilian, indem er auf den Alten ſtürzte. 5

Wann haſt Du ie Staur uc durcgſhnitten ten, Dummkopf?

Es war zu ſpät.

Verflucht!

Macht, daß Ihr fertig werdet! ſagte die Stimme der Brigitte vom Fenſter her.

Der Schrank ſteht auf, es iſt nichts darin! flüſterte Jean, der an allen Gliedern zitterte.

Du haſt ihn ſchon vorher beſtohlen, Du Schuft!

Macht, daß Ihr fertig werdet!

Wo ſollen wir denn nun ſuchen?

Es kommen Leute den Corridor herauf, keuchte Jean, der an der Tapetenthür horchte.

Kilian horchte ebenfalls. Es war kein Zweifel; man hatte das furchtbare Läuten gehört; man kam, zu ſehen, was es gebe. Der Menſch ſtieß einen gräßlichen Fluch aus, ſprang nach dem Fenſter und ſchwang ſich hinaus. Jean, der ſich mit dem Todten allein ſah, und die Leute ganz nahe hörte, und in ſeiner Angſt den Schlüſſel, den er hatte fallen laſſen, nicht wieder finden konnte, eilte dem Mör⸗ der nach. Man klopfte an; man rief; man klopfte wieder. Einer, der entſchloſſener war, als die Anderen, ſtieß die Thür auf da lag die alte Excellenz in dem Lehnſtuhl vor dem Kamin erwürgt. Die Knochenhand hielt noch den Griff des Glockenzuges umfaßt. Der eiſerne Geldſchrank ſtand auf die leere Kaſſette auf dem