Dritter Band. 219 Leute anzuſehen ſchien, an ein paar Menſchen— einem Kerl, der ſich den Hut tief in's Geſicht gezogen hatte, und einem Weibe, das einen grünen Schleier von ihrem zerknitterten Hute herabhängen ließ, — vorüber. Er raunte den Beiden ein paar Worte zu. Die löſten ſich von den Schauluſtigen ab und verſchwanden hinter den dichten Büſchen der Terraſſe links von dem Portale, die ſich unter den Fenſtern der Zimmer des Generals hinzog und für das Publicum abgeſperrt war. Der Kammerdiener folgte ihnen.
„Wie ſtehts?“ ſagte der Kerl mit dem Schlapphut,„iſt er nun endlich allein?“
„Ja; es kommt heute Niemand mehr zu ihm; aber er iſt noch nicht zu Bett.“
„Verdammt! es iſt die höchſte Zeit; die Leute fangen ſchon an wegzugehen; es wird auffallen, wenn man uns hier herumſtreifen ſieht.“
„Höre, Kilian,“ ſagte Jean,„ſollen wir es lieber doch laſſen? der Alte kann nicht lange mehr leben; wir haben es dann bequemer.“
„Ja, Du! aber wir!“ ſagte das Weib, das bis dahin geſchwie⸗ gen hatte;„Kilian muß fort, das weißt Du recht gut; mit mir, denkſt Du, kannſt Du hernach umſpringen, wie Du willſt. Aber wir wollen Dich lehren, Flauſen machen, Du erbärmlicher Haarkräusler, Du!“
Und Brigitte ſchlug den grünen Schleier zurück, und feuchtelte dem in der weißen Cravatte mit ihrer knöchernen Fauſt unter der Naſe.
„Meinetwegen,“ ſagte Jean ärgerlich;„er hat mir freilich fünf⸗ hundert Thaler in ſeinem Teſtament vermacht.“
Brigitte lachte.„Biſt verrückt,“ ſagte ſie,„fünfhundert Thaler! und der Alte hat Hunderttauſende in ſeinem Schrank! Willſt Du, oder willſt Du nicht? Du findeſt den Schlüſſel Dein Lebtage nicht, wenn Du auch den Alten allein würgen wollteſt.“
„Nehmt doch nur Vernuft an,“ ſagte Jean,„ich will ja! Aber es bleibt bei der Verabredung! Ihr thut's und ich ſchlage nachher Lärm, denn ſonſt fällt der Verdacht gleich auf mich.“
„Ja, ja!“ brummte Kilian.
„Ich habe den Fenſterladen aufgelaſſen,“ ſagte Jean;„er wird ihn zu haben wollen, wenn ich ihn zu Bett bringe; dann werde ich
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