218 Die von Hohenſtein.
„Iſt dies nun rechtskräftig?“ fragte der Alte.
„Es fehlt nur noch Ihre Unterſchrift, Excellenz, und die Unter⸗ ſchriften der beiden Zeugen.“
„Halt,“ ſagte Ambroſius;„ich will nichts haben. Vertheilen Sie die tauſend Thaler unter ihre übrigen Leute; ich ſehe nicht ein, weß⸗ halb dieſer Herr in der weißen Cravatte ſo ſehr bevorzugt werden ſoll.“
Der Kammerdiener Jean lächelte und ſagte:„Ja, gewiß, Ehr⸗
würden.“
Der Notar machte, da Ambroſius auf ſeinem Willen beſtand, den nöthigen Nachtrag. Die Unterſchriften ſtunden unter dem Docu⸗ ment. Der Notar erhob ſich und ſagte, daß er in die Stadt, wohin ihn wichtige Geſchäfte riefen, zurück müſſe. Er werde das Teſtament in Verwahrſam nehmen und morgen früh auf dem Gerichte deponiren. Ambroſius, noch ganz erſtaunt über die ſonderbare Wendung, welche die Verhandlungen mit dem General genommen hatten, wollte dem Advokaten folgen; aber der General rief ihn zurück:
„Pfarrerchen, auf ein Wort! Nicht wahr, Pfarrerchen, Ihr macht mich nun katholiſch und kommt alle Tage zu mir herüber. Ihr ſeid der einzige Menſch, zu dem ich Vertrauen habe. Ihr haltet mich für einen verfluchten alten Sünder— ich weiß es wohl— aber Ihr ſeid doch ein guter Menſch, und werdet Euch meiner annehmen. Die da oben“— der Alte wies mit dem Finger nach der Zimmer⸗ decke—„würden mich vergiften, wenn ſie könnten. Und darum habe ich ſie enterbt, iſt das nicht recht und billig, Pfarrerchen?“
„Wir reden noch darüber,“ erwiderte Ambroſius;„Sie ſind ein merkwürdiger Kauz, an dem man Theil nehmen muß, trotzdem Sie, wie Sie ſelbſt ſagen, ein verdammter alter Sünder ſind. Ich ſpreche Morgen wieder vor; adieu für heute.“
„Adieu, Pfarrerchen, adien, adieu!“
Der Kammerdiener Jean hatte den Pfarrer durch des Generals Wohnzimmer und den mit Gewächſen aller Art reich decorirten, hell erleuchteten Gartenſaal begleitet, deſſen Thüren weit offen ſtanden und von neugierigen Dorfbewohnern umlagert waren. Der Pfarrer ſchlug den ihm nun wohlbekannten Weg durch den Park ein; Jean miſchte ſich unter die ſchauluſtige Menge und ſtreifte, während er ſich die


