Dritter Band. 217
was koſten laſſen; ich habe ein neues Teſtament gemacht; habe Sie auch bedacht, Pfarrerchen, kriegen tauſend Thaler; und Schloß Rhein⸗ felden ſoll ein katholiſches Central⸗Waiſenhaus für die ganze Provinz werden; die Einkünfte vom Gut kriegt die Anſtalt; iſt dreimalhundert⸗ tauſend Thaler werth, Pfarrerchen, dreimalhunderttauſend Thaler!“
„Dummes Zeug!“ ſagte Ambroſius.
„Iſt bei Gott wahr, Pfarrerchen; oben ſitzt der Notar und ſchmiert das Ding zurecht; habe mir das Teſtament, das mir der Schnepper in die Hände dictirt hat, vom Gericht wiedergeben laſſen. Die Canaille wollte Alles für ſich haben; mußte Alles der frechen Hexe, der Camilla verſchreiben. Hat dafür falſch Zeugniß abgelegt, Pfarrerchen; hat geſagt: der Jürgens wäre gefallen; hi, hi, hil! müßte ein närriſcher Fall geweſen ſein! Nun ſtifte ich ein katholi⸗ ſches Waiſenhaus und das baare Geld ſollen ſie unter ſich theilen; ſind auch noch faſt zweimalhunderttauſend Thaler; iſt das nicht billig, Pfarrerchen, he?“
Ambroſius hatte, den großen Kopf auf die Seite geneigt, auf⸗ merkſam zugehört. Wenn dies ſich ſo verhielt, war es nicht von der Hand zu weiſen. Er hatte immer dafür geſprochen und gewirkt, daß für die Waiſen mehr geſchehen müſſe; es war gerade dieſe Frage ihm ſehr an ſein rauhes edles Herz gewachſen. Wenn ſich die Verwand⸗ ten noch außerdem ſo viel zu theilen hatten— es war genug und mehr als genug für ſie.
„Verhält ſich dies Alles ſo?“
„Bei Gott! bei Gott!“ meckerte die Mumie.
„Laſſen Sie den Notar kommen; ich muß mich davon überzengen.“
Der Alte zog an dem Gloceuzuge, der neben ſeinem Stuhl von der Decke herabhing. Nach einigen Minuten führte Jean den Rotar herein.
„Haben Sie Alles fertig?“
Der Notar verbeugte ſich und nahm an dem leinen Tiſche vor dem Kamin Platz.
„Leſen Sie!“ ſagte der Alte,„und der Jean kann hierbleiben, als Zeuge.“
Der Notar las das Teſtament, das er nach den Angaben des Alten angefertigt, vor. Es verhielt ſich Alles, wie dieſer geſagt hatte.


