Teil eines Werkes 
9. Band, Die von Hohenstein : Roman : 3. Band (1867)
Entstehung
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214 Die von Hohenſtein.

Todtenkopfes angenommen. Seine Hände waren zu Vogelkrallen ge⸗ worden; es war nur ein Schatten von dem grauen Thrannen, der noch vor einem Jahre ſeine Diener prügelte, oder ihnen Alles, was in den Bereich ſeiner Hände kam, an die Köpfe warf. Aber aus den ſchwarzen Augen blitzte es von Zeit zu Zeit noch immer; freilich nicht mehr mit der alten Berſerkerwuth, wohl aber mit der hämiſchen Bos⸗ heit einer ſchlechten Seele, die ſich ihrer Machtloſigkeit nach Außen bewußt iſt, und den Feind, den ſie mit den Händen nicht mehr zer⸗ reißen kann, mit Blicken vernichten möchte.

Der Alte ſaß und nickte und zwinkerte mit den Augen und meckerte ein ſeltſames unheimliches Lachen und nickte wieder wie im Halbſchlaf, wandte ſich dann plötzlich zu dem Kammerdiener, der im Hintergrunde des Zimmers mit dem Bett beſchäftigt war und fagte mit widerlicher Freundlichkeit:

Jean, lieber Jean!

Der Menſch kam herzu und ſtellte ſich links neben den Lehnſtuhl(der Alte konnte ſeit geraumer Zeit den Kopf nicht mehr nach rechts drehen).

Was befehlen, Excellenz?

Wieviel ſagteſt Du doch, daß Dir der Präſident, der Dich zu mir geſchickt hat, dafür gebe, daß Du ihm Alles getreulich meldeſt, was hier auf dem Schloſſe vorgeht?

Ich hab's Excellenz ſchon wer weiß wie oft geſagt, erwiderte der Mann(derſelbe, der einſt in Antoniens Dienſten geweſen war) mürriſch.

Sag's mir noch einmal, lieber Jean!

Funfzig Thaler.

Sehr gut. Und wieviel giebt Dir Herr von Schnepper, daß Du ihm Alles meldeſt, was hier vorgeht?

Auch funfzig Thaler.

Sehr gut. Und wieviel gebe ich Dir, daß Du ihnen nur Lügen erzählſt?

Hundert Thaler.

Und dafür belügſt Du uns nun Alle zuſammen; ſehr gut, ſehr gut; und die Mumie meckerte und hüſtelte und nickte und zwinkerte mit den rothen Augenlidern und ſagte: