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28 Die von Hohenſtein.
Wolfgang hatte von jeher die Freiheit geliebt, weil er die Ver⸗ nunft liebte; aber ſein verwöhnter Geſchmack hatte ſich an den rauhen Formen geſtoßen, in welchen die Freiheit in das Leben tritt. Jetzt hatte er in der fortwährenden Berührung mit der Welt, durch die Erkenntniß der Nothwendigkeit des Kampfes jene Scheu verloren. Er hatte begriffen, daß der Arbeiter ſich der Flecken, welche ihm die Arbeit auf das Kleid ſpritzt, nicht zu ſchämen hat; daß, wer die Axt ſchwingt, und wäre er ein Gott, Schwielen in den Händen bekommen muß, und daß die rauhe Arbeit eine gewiſſe Rauhheit der Seele nicht nur entſchuldigt, ſondern geradezu fordert...
Der junge Mann ſprach über alle dieſe Dinge ſehr häufig mit Münzer und Degenfeld, von deren extremen Anſichten er ſich in ſeiner jetzigen Stimmung mehr angezogen fühlte, als von ſeines Onkels ruhigerer Denkungsart. Er machte dem Onkel aus dieſer ſeiner Vor⸗ liebe für die Ideen jener Männer kein Hehl, und Peter Schmitz war weit entfernt, ihn deswegen zu tadeln.„Ich finde es ſehr begreiflich,“ ſagte Peter Schmitz,„daß Du in Deinem Alter noch nicht die Hoff⸗ nung aufgegeben haſt, die ſpröde Wirklichkeit in die Form Deiner Ideale preſſen zu können; ja, ich würde Dich weniger achten, wenn Du in Deinen Wünſchen und Hoffnungen weniger ausſchweifend wäreſt. Jeder von uns hat einmal die Schäden der Welt mit dem Zauberſtabe des Socialismus und Communismus heilen zu können geglaubt; ja, wenn Du wiliſt, haben ſich noch alle Stifter humaner Religion in dieſem Irrthum befunden. Aber, wenn die Welt durch jene Philanthropen geheilt werden könnte, wären wir ſchon lange im Paradieſe. Nein, lieber Wolfgang! das Paradies iſt ein Traum, das Paradies der primitiven Unſchuld ebenſowohl, als das der nach⸗ geborenen allgemeinen Nächſtenliebe. Wir müſſen unſere Welt auf anderen Grundſätzen erbauen— auf den Grundſätzen des Rechtes, der Gerechtigkeit, der Solidarität der Intereſſen. Es iſt die Ehre feuriger Herzen, für ein falſches Ideal, das den glänzenden Schein des Herviſchen für ſich hat, zu ſchwärmen; aber es gereicht dem nüchternen Verſtande zur Unehre, über die Zeit hinaus in dieſem Irrthum zu verharren. Dir rechne ich Deine Irrthümer zum Lobe an, Münzer und Degenfeld aber verzeihe ich die ihrigen nicht. Komm


