Teil eines Werkes 
9. Band, Die von Hohenstein : Roman : 3. Band (1867)
Entstehung
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26 Die von Hohenſtein.

Klätſchereien und Verläumdungen zu vermehren? Sollte er jetzt um ſeinen Abſchied nachſuchen, und damit zu erkennen geben, daß er an der ſo ſchwer compromittirten Ehre der Familie verzweifle? Sollte er ſich an Edelmuth von einem Willamowsky übertreffen laſſen, der dieſe Zeit der Erniedrigung der Familie für die paſſendſte ge⸗ halten hatte, um ſeinen altadligen Namen, auf den er ſo gewaltige Stücke hielt, mit dem Namen der Hohenſteins zu verbinden? Sollte er Camilla, die das erſte Mal, als er nach dem Tode der Mutter wieder in die Wyhnung ihrer. Eltern kam, ihmum den Hals fiel und ihn bat, ihr wieder gut zu ſein und die Launen, mit denen ſie ihn gequält habe, zu verzeihen von ſich zu ſtoßen? Sollte er der Präſidentin, die ihn unter einem Strom von Thränen an ihren Buſen ſchloß und ihnihren lieben Sohn nannte, ſagen, daß er nicht ihr Sohn ſein wolle? daß er ſich nie als ihren Sohn gefühlt habe? ſollte er ihr das gerade jetzt ſagen? Wolfgang brachte das Wort, das ſeine Wahrheitsliebe gebieteriſch von ihm forderte, nicht über ſeine Lippen. Er ſtammelte einige verwirrte Entſchuldigungen, und war dankbar, daß man ihm keine Vorwürfe machte, als er in der Folge ſo ſelten als möglich kam, und auch dann nur immer, wenn er gewiß ſein konnte, wenigſtens den einen oder den andern Gaſt in dem jetzt beinahe verödeten Salon zu treffen.

Aber je unüberſteiglicher die Verhältniſſe ſich vor ihm aufthürmten und ihm eine freie Bewegung unmöglich machten, deſto mehr vertiefte ſich der nach außen hin gehemmte Strom der Kraft, deſto gewaltiger rang ſein Geiſt, das Wie? und Warum? dieſer Verhältniſſe zu be⸗ greifen, die doch unmöglich blos deshalb, weil ſie vorhanden waren, vernünftig ſein konnten. Uno nicht blos dieſer Verhältniſſe! Waren ſie doch nur die nothwendige Folge einer Reihe von Urſachen und Wirkungen, die ſich ſämmtlich auf den unhaltbaren Zuſtand der Ge⸗ ſellſchaft und des Staates zurückführen ließen! einer Geſellſchaft, wo der Eine den Andern gewiſſenlos ausbeutet, um Zwecke zu erreichen, die, wenn ſie erreicht ſind, ſich als werthlos ausweiſen; eines Staates, dem mit freien Menſchen, die dem Andern gern gewähren, was ſie für ſich ſelber fordern, nicht gedient iſt, ſondern der ſeine großen Mittel ſchmählich mißbraucht, um die Herrſchaft der Einzelnen über