Dritter Band. 25
war kalt wie ſeine Hände.„Ich weiß nicht,“ ſagte Herr Weſter⸗ meier— ein etwas buckliger, rothhaariger Dandy, der ſich auf ſeine Schönheit und Klugheit gewaltige Stücke einbildete,„der Hohenſtein kommt mir vor, wie Jemand, der eine Partie, die er verloren hat, nur aus Gefälligkeit noch weiter ſpielt.“— Der Stadtrath Heydt⸗ mann u. Comp. ſah ſich ſcheu um und erwiderte:„Wiſſen Sie was, Werthgeſchätzter, ich habe manchmal den Gedanken, Hohenſtein ſei in die gräuliche Affaire des alten Generals verpickelt; es wäre ſchreck⸗
lich,— ſreckichl“ iee Wenn nun eeeee ä fteui ee 3 5 fürchtungen wie der Stadtrath Heydtmann u. Comp. hegen mochten, ſo war der Rückſchlag der„gräulichen Affaire“ auf die Angelegen⸗ heiten des Stadtraths doch noch immer bedeutend genug. Kapitale, die er geliehen hatte, wurden ihm gekündigt; Gläubiger, die ſonſt länger gewartet haben würden, wollten durchaus bezahlt ſein; die alten Verlegenheiten wurden drückender, neue kamen hinzu;— und der Stadtrath ſprach darüber mit ſeinem Sohne, wie über Dinge, die ſich von ſelbſt verſtänden.„So etwas geht vorüber,“ ſagte er; „die Sache mit dem Großonkel kommt mir ein wenig ungelegen; man muß es eben tragen.“
Wolfgang hielt, trotz dieſer Verſicherungen, die Lage des Vaters jetzt für bedenklicher als im Frühling des vorigen Jahres, und ſah in der Gelaſſenheit, mit welcher derſelbe über ſeine Verhältniſſe ſprach, nur die Ruhe der Verzweiflung. Um ſo tiefer fühlte er die Ver⸗ pflichtung, den Vater in dieſer Noth nicht zu verlaſſen, vielmehr Alles zu thun, was in ſeinen Kräften ſtand, um denſelben über dieſe ſchlimme Zeit hinwegzuhelfen. So entwickelte ſich zwiſchen dem Vater und ihm ein vertraulicheres Verhältniß, als je zuvor. Das Unglück, das über die Familie hereingebrochen war, ſchien wenigſtens das Gute gehabt zu haben, die einzelnen Glieder derſelben feſter aneinander zu knüpfen.
Dies Gefühl der— gleichviel ob freiwilligen oder unfreiwilligen — Gemeinſamkeit machte es Wolfgang auch unmöglich, die Ketten zu brechen, mit welchen ihn ſeine Verlobung und ſein militairiſches Ver⸗ hältniß belaſtet hatten. Sollte er jetzt, wo der Name ſeiner Familie in Aller Mund war, noch ſeinerſeits dazu beitragen, den Stoff der


