Dritter Band. 21
Medicinalrath vorgeſchriebenen Recept im Verlaufe eines Abends aus⸗ geführt werden konnte. Man hatte dafür Sorge getragen, daß an einem der Empfangsabende von den wenigen Gäſten, die nach der Kataſtrophe noch regelmäßig zu kommen pflegten, der Baron der einzige war. Die Präſidentin klagte über die Freunde, die mit dem Sonnenſchein des Glücks wie die Mücken verſchwinden, ſo lange, bis der Baron ſich ſelbſt ganz ausnehmend brav und großmüthig erſchien. Dann ſchilderte ſie die Sorge, welche ein liebendes Mutterherz über das Schickſal unverheiratheter Töchter, die kein großes Vermögen zu erwarten haben, empfindet; ſchließlich reichte ſie dem Baron die Hand, blickte ihn zärtlich an und ſagte:„Ich muß einen Augenblick nach meiner kranken Camilla ſehen. Ihnen, lieber Willamowsky, kann ich ja wohl mein Kind eine Viertelſtunde anvertrauen?“
Der Baron küßte dankbar die fette Hand, öffnete der Präſidentin die Thür, kam wieder zurück an den Theetiſch, und ſah— wie das „Kind,“ welches an einer Geldbörſe häkelte, unter den ſchwarzen Augenlidern hervor ſehr genau bemerkte— außerordentlich aufge⸗ regt aus.
„Für wen häkeln Sie denn das hübſche Dings da, Fräulein Aurelie,“ ſagte der Baron nach einer längeren Pauſe, in welcher er unruhig auf ſeinem Stuhl hin⸗ und hergerückt war.
„Für mich nicht,“ ſagte Aurelie;„ich hätte doch Nichts hinein⸗ zuthun.“
„Ehem!“ machte der Baron.
„Sie ſagten?“
„O, nichts, nichts; ich wollte nur bemerken, daß das doch am Ende nur auf Sie ankäme; ehem!“
„Wie meinen Sie das, lieber Stillfried?“ fragte„das Kind,“ die braunen unſchuldsvollen Augen aufſchlagend.
„Ich meine— sapristi, Fräulein Aurelie! ich bin kein Mann von vielen Worten; ich kann nicht ſchwadroniren wie Brinkmann, habe auch kein Genie wie der verdammte Kettenberg; aber, wenn Sie mich heirathen wollen, Fräulein Aurelie, ſo ſoll es Ihnen, ſo lange ich ſelbſt was habe, nicht an Piſtolen für das hübſche grüne Dings da fehlen, und Sie haben ja früher oft ſelbſt geſagt, daß ich effectiv ein


