Dritter Band. 17
lich Naheſtehenden eine ungeſchwächte Liebe, Verehrung oder Achtung an den Tag zu legen; aber der Fall war und blieb ein böſer, böſer Fall, der die ohnehin ziemlich ſchwüle Atmoſphäre in den Familien des Präſidenten und des Obriſten gerade nicht verbeſſerte.
Ein Troſt— wenn auch ein leidiger— war es, daß man durch die Güte des Aſſeſſors von Wyſe, Bruder des Referendars von Wyſe, der als interimiſtiſcher Staatsanwaltsgehülfe die Unterſuchungen zum großen Theil zu führen hatte, von Tag zu Tag über den Gang der Dinge unterrichtet wurde. Der alte General leugnete hartnäckig Alles und legte— nach der Ausſage von Wyſes— in ſeinen Antworten eine ganz ungewöhnliche und für einen ſo alten Mann doppelt merk⸗ würdige Schlauheit und Gedächtnißkraft an den Tag. Es war un⸗ möglich, ihn trotz der ſcharfſinnigſten Kreuzfragen in einen Wiver⸗ ſpruch zu verwickeln. Er blieb bei ſeiner erſten Ausſage, daß er in der Nacht des 11. Auguſt 1839 von einem heftigen Huſtenanfall aus dem Schlafe geweckt worden ſei, und nach ſeinem Diener, dem Anſelm Jürgens aus Kirchheim, geſchellt habe. Als der Mann auf ſein wie⸗ derholtes Klingeln nicht gekommen ſei, habe er ſich ſelbſt— nicht ohne große Mühe— erhoben, um den Säumigen zu wecken. Als er denſelben nicht in ſeinem Zimmer gefunden, ſei er(der General), in der Meinung, daß der Mann ſich wieder einmal, wie ſchon öfter, den Schlüſſel zur Vorrathskammer zu verſchaffen gewußt und ſich dort betrunken habe, in den Flügel des Schloſſes, wo die Vorrathskammer ſich befand, gegangen. Dort habe der Mann am Fuße der ſteinernen Wendeltreppe, die in das obere Stockwerk führte, gelegen— mit zerſchmettertem Schädel— todt. Er habe nun die Haushälterin ge⸗ weckt, ſowie die übrigen Leute, und habe den Leichnam unten in der Halle auf einen Tiſch legen laſſen, wo ihn am folgenden Morgen verſchiedene Perſonen(unter anderen der Schullehrer Balthaſar Schmal⸗ hans) geſehen hätten. Darauf ſei der Leichnam in einen Schuppen getragen und(ſo viel er ſich erinnern könne) wegen der ungewöhnlich ſtarken Hitze bereits in der folgenden Nacht von dem Schulmeiſter Balthaſar Schmälhans, ſowie den Bedienten Anton Pütz und Jakob Pitter(beide ſeitdem verſtorben) begraben worden. Die vorſchrifts⸗
mäßigen Anzeigen ſeien rechtzeitig gemacht, doch habe der damals Fr. Spielhagen's Werke. IR. 2


