18 Die von Hohenſtein.
ſchwer erkrankte Pfarrer von Kirchheim, Ambroſius Kandel, an dem Begräbniß nicht theilnehmen können. Die Stelle, auf welcher man den Leichnam begraben, habe er nie gekannt.
Die Ausſage der Brigitte Schmalhans lautete nun freilich ganz anders. Nach ihrer Ausſage habe ſie mit dem Ermordeten in einem Liebesverhältniß geſtanden, das ſie vor e um ſo geheimer gehalten, als derſelbe bereits ältere Anſprüche an ſie gehabt habe. Nichtsdeſtoweniger ſei ſie mit ihrem Liebhaber in der verhängnißvollen Nacht von dem eiferſüchtigen Gebieter überraſcht worden. Der An⸗ ſelm ſei ein ſtarker Mann geweſen, aber der alte General habe mit der blinkenden Art in der Hand ſo gräßlich ausgeſehen, daß der Un⸗ glückliche vor Schreck auf die Ku' gefallen und um Gnade gebeten habe. Der General habe mit einem Hieb geantwortet, welcher dem Knieenden die rechte Seite des Schädels ſpaltete und ihn ſofort todt zu Boden ſtreckte. Darauf habe er(der General) auch ſie umbringen wollen, auf ihre flehenden Bitten ihr aber das Leben gelaſſen und ſie dann gezwungen, mit ihm den Leichnam bis an den Fuß der Wendel⸗ treppe zu tragen und ihn in die Lage zu bringen, in welcher er her⸗ nach von den Leuten gefunden wurde. Sie habe ſich darauf wieder zu Bett legen müſſen, um ſich hernach im Beiſein des Bedienten von dem General wecken zu laſſen.— Im Uebrigen habe es ſich mit dem Begräbniß des Ermordeten ſo verhalten, wie ver General angegeben. — Das Verſchwinden ihres Gatten erkläre ſie durch die Furcht, welche der Letztere gehabt, mit ihr zuſammen ziehen zu ſollen, wie ſie es nach der Verhaftung des Generals von ihm verlangte. Es ſei möglich, daß er ſich das Leben genommen(ein Haſenfuß ſei er immer geweſen); auf jeden Fall wiſſe ſie über ſein Verbleiben nichts.
„Die Sache iſt ſo verwickelt, wie nur irgend möglich, meine gnädige Frau,“ ſagte der Aſſeſſor von Wyſe zur Präſidentin;„ein wahres Kaleidoſkop, oder wie ein Kleid conleour changeante, um mich eines Bildes, das Ihnen geläufiger ſein wird, zu bedienen. Heute grün, und morgen roth, und übermorgen wieder blau, je nach den Zeugenausſagen. Jetzt iſt eine neue Perſonage aufge⸗ treten, ein gewiſſer Kilian Emmerich, bis zuletzt Bedienter beim Ge⸗ neral—“


