Teil eines Werkes 
9. Band, Die von Hohenstein : Roman : 3. Band (1867)
Entstehung
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Dritter Band

wörtlich geweſen war, noch im übelſten Andenken ſtand, ſein vielbe⸗ flecktes Leben ſchließlich noch mit einem offenen Verbrechen gezeichnet habe. Die durch die Merkwürdigkeit des Falls aufgeregte Phantaſie des Publikums erging ſich in den abenteuerlichſten Gerüchten. Daß es ſich um einen Mord handle, wußte man mit Beſtimmtheit. Nach dem Einen ſollte der Ermordete ein Diener des Generals geweſen ſein, der mit der Haushälterin und Maitreſſe des Letzteren in einem allzuvertrauten Verhältn'ß geſtanden habe; nach Andern war das Opfer ein reicher jüdiſcher Juwelenhändler, der auf Rheinfelden vor⸗ geſprochen habe und von dem General ſeiner bedeutenden Baarſchaft und zugleich ſeines Lebens beraubt worden ſei(wodurch ſich denn auch der Reichthum des alten Sünders ſchicklich erklärte); wieder nach An⸗ deren handelte es ſich gar nicht um einen Mord, ſondern um eine ganze Reihe von Mordthaten, die der Alte mit Hülfe ſeiner Haus⸗ hälterin an den unglücklichen Opfern ſeiner Gier verübt habe und dieſe Annahme gewann, weil ſie der in dem Menſchen ſo mächtigen Luſt am Gräßlichen die meiſte Nahrung gab, zuletzt die Oberhand. Der Alte wurde zu einem Blaubart in weißen Haaren, und Schloß Rheinfelden zu einer Mördergrube, deren ſchaurige Geheimniſſe die energiſch betriebene Unterſuchung demnächſt zum Entſetzen aller Chriſten⸗ menſchen an den Tag bringen werde.

Indeſſen ſchien es, als ob die Neugier des Publikums noch lange auf die Folter geſpannt werden ſollte, denn die Sache, die man im Anfang für ſo klar hielt, daß man den alten General gleichſam ſchon am Galgen ſah, drohte mit jedem Tage verwickelter zu werden. Man hörte, daß die Ausſagen der zahlreich aufgerufenen Zeugen ſich viel⸗ fach widerſprachen, und bald für die Anhänger dieſer, bald für die der zweiten, bald für die der dritten Erklärungsart günſtig lauteten. Zuletzt gewannen die, welche an die Blaubartſage glaubten einen be⸗ deutenden Vorſprung. Die Verdachtgründe der Mitthäterſchaft gegen dieſelbe Perſon, auf deren Denunciation hin die Verhaftung des Generals ſtattgefunden hatte die Haushälterin des Alten, Frau Brigitte Schmalhans hatten ſich ſo gehäuft, daß die Verhaftung derſelben vom Oberſtaatsanwalt angeordnet worden war; und kaum war das Weib in das Gefängniß abgeführt, als die Nachricht in die