Die von Hohenſtein.
Jweites Capitel.
Die Verhaftung des alten Generals auf Rheinfelden machte, wie der Präſident vorausgeſagt hatte, in Rheinſtadt und weit über Rhein⸗ ſtadt hinaus, ein ungeheures Aufſehen. Der Name der Familie, deren Mitglieder ſchon mehrere Generationen hindurch die höchſten mili⸗ tairiſchen Stellen und Civilämter in der Provinz innegehabt hatten, war Jedermann bekannt; Jedermann war mit einem der vielen Hohen⸗ ſteins ein oder das andere Mal in geſchäftliche oder private Be⸗ rührung gekommen, und Jedermann nahm daher an dem eigenthüm⸗ lichen Ereigniß näheren oder entfernteren Antheil. Indeſſen konnte man leicht bemerken, daß dieſe Theilnahme im Allgemeinen keineswegs aus Sympathie hervorging, ſondern daß die Grundſtimmung des Publikums ein lebhaftes Gefühl geſättigter Schadenfreude war. Dies mochte zum nicht geringen Theil ſeinen Grund in der Abneigung haben, mit welcher die katholiſchen Bewohner jener Gegend noch immer auf den eingewanderten, oder vielmehr hingeſchickten und hincomman⸗ dirten Beamten⸗ und Militairadel aus den Stammprovinzen blicken; die vorzüglichſte Urſache aber der feindſeligen Haltung des Publikums war ohne Zweifel der Haß, welchen die hochadelige Familie im Laufe der Zeit durch ihr ſtolzes, herriſches, unbürgerliches Weſen auf ſich zu laden gewußt hatte. Man erinnerte ſich der willkürlichen Ver⸗ waltung des Oberpräſidenten von Hohenſtein, des Vaters der drei Brüder; der mehr als militairiſchen Schroffheit des Obriſten; der gleißneriſchen Freundlichkeit, hinter welcher der Präſident ſeine büreau⸗ kratiſch⸗despotiſchen Neigungen verſteckte; der politiſchen Achſelträgerei des Stadtraths; der Hoffahrt der Präſidententöcht des junkerlichen Uebermuths der Obriſtenſöhne; der ſtadtkundigen kte Antoniens von Hohenſtein, und fand es mehr als glaublich, daß der alte Ge⸗ neral auf Rheinfelden, der von der Zeit, wo er als commandirender General in der Provinz für ſeine Grobheit und Brutalität ſprich⸗


