Teil eines Werkes 
9. Band, Die von Hohenstein : Roman : 3. Band (1867)
Entstehung
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Dritter Band. 13

engen Schuhe des Localpatriotismus grändlich ausgetreten zu haben glaube.

Aber, mein Gott, beſter, theuerſter Freund, ſagte der Präſi⸗ dent, dem kleinen Mann, der jetzt aufgeſtanden war und Hut und Stock bereits in der Hand hatte, am Rockknopf feſthaltend; gerade als Katholik, als ein ſpecieller Freund des Staatsprocurators müſſen Sie ja etwas für mich thun können.

Nun, ſagte der Medicinalrath, den goldenen Knopf ſeines Stockes an die dünnen Lippen legend;in den von Ihnen genannten beiden Eigenſchaften würde mein Einfluß wohl ſehr irrelevant ſein, indeſſen vielleicht mein ſachliches Gutachten über den Befund der Leiche, weun es ja ſo weit kommen ſollte

Liebſter, Himmliſcher, rief der Präſident, den kleinen Mann umarmend;Sie ſind unſer Retter, unſer guter Engel! Befehlen Sie über mich! meine Dankbarkeit würde grenzenlos ſein.

Wirklich? ſagte der Medicinalrath mit einem ironiſchen Lächein; aber, ich kann keine Secunde länger bleiben. Leben Sie wohl, Wer⸗ theſter, und nehmen Sie ein Brauſepulver; Sie ſind fieberhaft auf⸗ geregt.

Herr von Schnepper hatte die Thür faſt erreicht, als der Präſi⸗ dent, der in tiefem Nachdenken ſtehen geblieben war, ſich vor den Kopf ſchlug und rief:

College, auf ein Wort!

Was beliebt?

War denn das vorhin Ihr Ernſt mit hm mit Camilla?

Aber Wertheſter, Sie werden doch Scherz verſtehen! ſagte der Andre mit einem füßlichen Grinſen; Hleben Sie wohl!

Der Präſident ſah mit ſtarren Blicken nach der Thür, durch welche der Medicinalrath verſchwunden war.

Hm, hm! murmelte er;ſteht die Sache ſo? Es wäre freilich ein eigenes Ding, gewiſſermaßen ridicül, unſchicklich; indeſſen es käme auf das Mädchen an ſie iſt anders, wie ſonſt die Backfiſche ſind man müßte einmal hinfühlen lieber Alles, als daß der Alte hm, hm.

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