Teil eines Werkes 
9. Band, Die von Hohenstein : Roman : 3. Band (1867)
Entstehung
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Dritter Band. 9

des Miniſteriums, die ich für unbedingt nöthig halte, das Portefeuille eines gewiſſen Herrn, der ſich ſchon vollſtändig abgenutzt hat, über⸗ nehmen wird ich glaube ganz gern, mein liebe gnädige Freundin, daß Ihnen ein ſolcher Mann als Schwiegerſohn gar nicht unge⸗ legen käme.

Ha, ha, ha! lachte Clotilde,Sie ſind heute in einer entzücken⸗ den Laune, mon ami! wirklich entzückend! Und die corpulente Dame warf ſich in ihre Sopha⸗Ecke zurück und lachte ſo, daß Joli, der zwiſchen dieſem überlauten Lachen, das ihn ſo grauſam aus ſeinem ſüßen Vormittagsſchlaf weckte, und der Perſon des ihm ſehr ver⸗ haßten Medicinalraths eine Verbindung wittern mußte, von ſeinem Stuhle ſprang und dem kleinen Mann nach den dürren Beinchen fuhr.

Abſcheuliches Thier! ſagte der Medicinalrath, und ſchlug mit ſeinem rothſeidenen Taſchentuch ärgerlich nach dem Angreifer.

Joli ließ ſich eine ſo herrliche Gelegenheit, ſeinem Gegner zu ſchaden, natürlich nicht entgehen. Er hackte ſeine ſcharfen Zähnchen in einen Zipfel des Taſchentuches und ſtemmte ſich, ſo ſehr er konnte, auf ſeine vier Beine, während der Medicinalrath an der andern Seite zerrte.

Ich ſterbe, ich ſterbe! rief die Präſidentin.

Ich wollte, Sie befreiten mich lieber von dieſer Beſtie! rief Herr von Schnepper mit einem keineswegs freundlichen Blick ſeiner ſtechenden Augen auf die lachluſtige Freundin.

Ruf das Thier ab, meine Liebe! ſagte der Präſident, dem die Wendung, welche die Scene genommen hatte, keineswegs gefiel.

Wer weiß, zu welchen unangenehmen Auftritten es noch zwiſchen den Freunden gekommen wäre, da die Präſidentin nicht aufhörte zu lachen und Herr von Schnepper immer zorniger wurde, wenn Joli nicht durch den Eintritt eines ſeiner ſpeciellen Freunde auf andere Gedanken gebracht worden wäre.

Der neue Ankömmling war der Aſſeſſor von Wyſe. Der junge Mann war ſo gegen ſeine ſonſtige Gewohnheit, ſich durch nichts aus ſeiner blafirten Ruhe bringen zu laſſen, verſtört und aufgeregt, daß ſämmtliche Anweſende wie aus einem Munde riefen:

Was giebt's, Herr von Wyſe!