Teil eines Werkes 
9. Band, Die von Hohenstein : Roman : 3. Band (1867)
Entstehung
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Die von Hohenſtein.

Eine wunderliche Neuigkeit, ſagte von Wyſe, ſich erſchöpft in einen Stuhl ſinken laſſend,die unglaublich klingen würde, wenn ich ſie nicht aus der beſten Quelle hätte.

Aber, mon Dieu, Sie tödten mich! rief die Präſidentin.

Ich bitte Sie, reden Sie, Wyſe! ſagte der Präſident.

Die Sache iſt ſagte Herr von Wyſe in augenſcheinlich nicht geringer Verlegenheit,aber ich muß Sie dringend bitten, den Ueber⸗ bringer der Nachricht den Schmerz, den Ihnen dieſelbe ohne Zweifel verurſachen wird, nicht entgelten zu laſſen die Sache iſt, daß die

alte Excellenz von Rheinfelden heute Morgen auf Requiſition des

Oberſtaatsanwalts in ſeinem Schloſſe verhaftet und unter Eskorte hierher in Unterſuchungshaft geführt iſt.

Des Präſidenten bleiches Geſicht war noch um einige Töne bleicher geworden; die Präſidentin war augenſcheinlich einer Ohnmacht nahe; Herr von Schnepper ſchaute mit einem gewiſſen Wohlbehagen auf die Zerſchmetterten.

Aber, wie iſt dies möglich, Wyſe? und von wem haben Sie es? ſtammelte der Präſident.

Von meinem Bruder, dem Referendar, ſagte von Wyſe,er hat ſelbſt das Protocoll des erſten Verhörs aufgenommen.

Und um Himmelswillen, lieber Wyſe, um was handelt es ſich denn?

Mein Bruder konnte und wollte ſich natürlich darüber nicht auslaſſen, ſagte der Aſſeſſor mit einem bezeichnenden Blick nach der Präſidentin, die wie erſtarrt mit weit geöffneten Augen und Munde in der Sopha⸗Ecke ſaß.

Ich glaube, liebe Clotilde, Du thäteſt beſſer, Dich nebenan ein wenig zu erholen, ſagte der Präſident, indem er ſeiner Gemahlin, deren ſchwache Willenskraft durch den Schreck vollkommen aufgelöſt war, den Arm bot und ſie in das nächſte Zimmer führte. Dann kam er ſchnell zurück, faßte den Aſſeſſor heftig am Arm und ſagte mit leiſer und heiſerer Stimme:Um Gotteswillen, Wyſe, Sie wiſſen es? was iſt's? 6

Wenn Sie es doch wiſſen wollen, Herr Präſident: gegen den General iſt von ſeiner Haushälterin eine Denunciation wegen Mord,