8 Die von Hohenſtein.
mir doch leid thun, wenn es bis zum Aeußerſten mit ihm käme. Er ſah heute Morgen wirklich recht jämmerlich aus.“
„Aber, lieber Präſident,“ ſagte der Medicinalrath,„ich begreife Sie nicht! Wenn Sie wirklich ein Tendre für Ihren Herrn Bruder haben— was ich übrigens heute zum erſten Male bemerke— ſo können Sie ihm doch nur gratuliren, daß er dieſe ewig kränkelnde, grämelnde, larmoyante Frau los iſt! Ich hab' es ſchon vor einem Vierteljahr geſagt, daß ſie nicht zu retten ſei. Aus Dank für meine Aufrichtigkeit hat man mir nebenbei den Demokraten, den Dr. Brand, vorgezogen, ich werde dem Herrn Stadtrath dieſe Effronterie auch nicht ſo leicht vergeſſen.“
„Retournons à nos moutons,— cher ami!“ ſagte die Präſi⸗ dentin;„Sie haben uns noch Eines nicht geſagt und doch ſind Sie heute von ſo entzückender Ausgiebigkeit, daß ich überzeugt bin, Sie werden uns auch dies Eine ſagen können.— Wenn wir Willamowsky mit Aurelien abfinden und Wolfgang fallen laſſen— was, oder viel⸗ mehr wer bleibt uns dann für Camilla? Wenn Sie uns einen Schwiegerſohn nehmen, haben Sie auch die Pflicht, uns einen andern dafür wieder zu ſchaffen.“
Der Medicinalrath von Schnepper ſchlug die Beinchen ausein⸗ ander, ſtreckte dieſelben von ſich, lehnte ſich noch tiefer in ſeinen Stuhl zurück, ließ die goldene Doſe zwiſchen Zeigefinger und Daumen der linken Hand ſpielen, warf einen wohlgefälligen Blick in den ihm ge⸗ genüber ſtehenden Trümeau und ſagte mit eigenthümlichem Lächeln: „Wie gefalle ich Ihnen, meine Gnädigſte?“
„Mais, trèés-bien, cher ami,“ ſagte die Präſidentin, welche die Frage wörtlich und in Folge deſſen ihre Lorgnette vor das Ange nahm.
„Nicht wahr!“ fuhr der kleine Mann in demſelben Tone fort: „ein wohl conſervirter Sechsziger, mit einem Privatvermögen von einer viertel Million und einem baaren Einkommen aus ſeiner Praxis von ungeführ zehntauſend Thalern, d. h. mit einer Revenue, wie unſer Premier⸗Miniſter; ein Maun, deſſen Verdienſte um den Staat und das Herrſcherhaus der Monarch mit der höchſten Ehre, die er zu verleihen im Stande iſt, ganz kürzlich anzuerkennen geruht hat; ein Mann, der, wer weiß es? bei einer theilweis neuen Combination
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