Dritter Band. 5
Die beiden Gatten ſahen ſich einander voller Erſtaunen an. „Verzeihen Sie,“ ſagte der Medicinalrath,„daß ich mich von meiner warmen Theilnahme an Ihrem und der Ihrigen Geſchick zu weit hinreißen ließ, aber offen geſtanden: ich begreife nicht, wie man ſo gute Karten in den Händenhaben und ſo ſchlecht ſpielen kann. Warum vertheilen Sie die Liebych Ihrer Töchter nicht zweckmäßig auf Beide, anſtatt ſie auf die eine Samilla zu concentriren? Willa⸗ mowsky iſt, nachdem er neulich auch äcch ſeine Großtante beerbt hat, wieder eine ganz paſſable Partie. Ich Vage Ihnen: der Baron will ſich rangiren; er glaubt— und mit Förg und Recht— daß er es ſo, wie er es treibt, nicht lange mehr treibt; er will heirathen à tout prix, und da iſt ihm ſchließlich Aurelie win ſo lieb, wie Camilla. Aurelie hat es herzlich ſatt, überall und immer als die zweite ange⸗ ſehen, oder vielmehr überſehen zu werden und will auch heirathen a tout prix. Nichts auf der Welt leichter, als Beide zuſammenzu⸗ bringen! Erholt ſich Willamowsky— pon! ſo haben ſie einen mittel⸗ mäßig reichen, aber äußerſt fügſamen und bequemen Schwiegerſohn. Erholt er ſich nicht— nun! die junge Witwe wird ſich im Beſitz eines Vermögens, das fikk ſie allein ein großes zu nennen iſt, über
3 den Verluſt zu tröſten wiſſen.
3 Die beiden Gatten ſahen ſich abermals an, diesmal aber nur
3 mit einer gewiſfen freudigen Ueberraſchung.
*„Nicht übel, nicht. übel!“ ſagte der Präſident,„und Camilla? und Wolfgang?“ 2
Der kleine Mann' gte: a hem! nahm eine Priſe und machte Während der folgenden Worte mit ſeinen Manchetten zu ſchaffen, añf pie elnige⸗ Tabakskörner gefallen zu ſein ſchienen.
„Ich habe,“ gte er laugſam,„in dieſer ganzen Angelegenheit“— von vornherein einen Plan feſtgehalten, der ſich im Verlauf des Ver⸗ hältniſſes immer klarer für mich entwickelt hat und deſſen Richtigkeit mir jetzt unzweifelhaft feſtſteht. Bei dieſer ganzen Sache kam es guf zweierlei an; erſtens: Camilla die Erbſchaft des Generals zu ſichern, zweitens: Wolfgang als Mittel zu dieſem Zweck zu benutzen, um ihn, wenn er uns die Kaſtanien aus dem Feuer geholt und ſich die Finger gehörig verbrannt hatte, fallen zu laſſen. Natürlich mußten wir auf


