Die von Hohenſtein.
die Idee der alten Excellenz eingehen; aber ſelbſtverſtändlich nicht in purem, plumpen Ernſt, ſondern nur zum Schein, nur ſo lange, bis er ſich an den Gedanken: Camilla und Wolfgang als ſeine Erben zu betrachten, vollkommen gewöhnt hatte. Dann kam es nur darauf an: Wrlfgang unmöglich zu machen, ſo daß er freiwillig oder unfrei⸗ willig zurücktrat und nur Camilla auf dem Plane blieb.
„Nun ſehen Sie, meine Herrſchaften, das Alles haben wir ja beinahe erreicht. Wenn ich den Burſchen recht beurtheilt habe, ſo ſteht er jetzt ſchon auf dem Punkte, Camilla'n ihr Verſprechen zurück⸗ zugeben. Das wäre ja nun recht gut; aber wir müſſen mit Wolf⸗ gangs Weigerung, Camilla zu heirathen, in einem Augenblick vor den General hintreten, wo dieſer ſelbſt durch den jungen Mann gründlich gekränkt und beleidigt iſt. Glücklicherweiſe hat der Himmel ja auch dafür geſorgt. Den jungen Mann drücken ſeine Epaulettes, ſage ich Ihnen. Es dauert nicht lange und er hält's nicht mehr aus, das iſt der rechte Augenblick. Dann ſchnell eine Scene herbeigeführt— nun meine Gnädigſte, wir wiſſen ja dergleichen zu arrangiren!— und wir ſind ihn los— verlaſſen Sie ſich darauf!“
Die beiden Gatten tauſchten abermals Blicke freudiger Ueber⸗ raſchung, in die ſich aber diesmal auch ein leiſer Zweifel miſchte.
„Iſt das Spiel nicht etwas gewagt?“ meinte der Präſident.
„Wer nicht wagt, nicht gewinnt,“ ſagte der Medicinalrath.
„Mein Bruder deutete heute morgen allerdings darauf hin, daß Wolfgang ſich in ſeiner Stellung gerade nicht glücklich zu fühlen ſcheine.“
„Was iſt da mit Fingern zu deuten, wo Alles mit Händen zu greifen iſt!“ ſagte der kleine Mann eifrig,„der Obriſt weiß viel mehr, als er zu ſagen für gut hält. Denken Sie, daß Selma es verſchmerzt hat, den Wolfgang ihren beiden Söhnen vorgezogen zu ſehen? Sie ſinnen— Selma ſo gut wie der Obriſt— auf weiter nichts, als Wolfgang ſeine Stellung auf jede Weiſe zu verleiden. Denken Sie denn, es iſt von ohngefähr, daß der Obriſt Wolfgang gerade in Degenfelds Bataillon gebracht hatte? es geſchah mit der
beſtimmten Abſicht, Wolfgang dadurch in dienſtliche Ungelegenheiten zu verwickeln, ihn von vornherein in eine falſche Poſition zu bringen, mit den anderen Kameraden zu verfeinden und ſo weiter. O, ich


