4 Die von Hohenſtein.
„Und den meinen,“ ſagte die Präſidentin, dem kleinen Mann die beiden fetten weißen Hände entgegenſtreckend.
„Danke, danke!“ ſagte der Medicinalrath, die fetten Hände zu wiederholten Malen an ſeine dünnen Lippen drückend; ich kann wohl ſagen:„es hat mich recht erfreut und gerührt. Mein Monarch iſt ſehr gnädig gegen mich geweſen.“
„Nun, lieber College, entre nous, Sie haben es ſich ſauer genug werden laſſen,“ ſagte der Präſident.„Die Thätigkeit, die Sie ſeit dem März vorigen Jahres und nun gar in dem letzten Wahlkampfe entwickelt haben, war enorm. Daß Münzer nicht wieder gewählt
wurde, haben wir nur Ihnen zu verdanken, denn, daß er nicht hätte 3
wiedergewählt ſein wollen, wie die Rothen uns hinterher weiß zu machen verſuchen, glaube ich nimmermehr.“
„Mag ſein, Herr Präſident,“ erwiderte der kleine Mann, indem er ſich auf einen Stuhl ſetzte und die goldene Doſe zwiſchen den Fingern ſpielen ließ;„aber man hätte mir ja auch den zweiten mit der Schleife, oder den Geheimen geben können, aber gerade den Adel! Geſtehen Sie, das hatten Sie nicht erwartet!“
„Doch,“ ſagte der Präſident lächelnd,„denn ich wußte aus den beſten Quellen, daß, als man höheren Ortes anfragen ließ, welche
Form der Belohnung Ihnen wohl am angenehmſten ſein würde, Sie!
ſelbſt“—
„Schon gut, ſchon gut, wir verſtehen uns,“ lächelte der kleine 4*
Mann,„können Sie mir's verdenken?“*
„Durchaus nicht!“ ſagte der Präſident,„aber, lieber College wie ich ſchon vorhin ſagte: Sie ſind wirklich recht à propos gekommen.
Sie wiſſen ja: die alte Geſchichte, Camilla wird immer unlenkſamer, und— ich gebe Dir das zu, liebe Clotilde— ihr Herr Bräutigam beobachter⸗gegen ſie— um es milde auszudrücken— eine ſolche Re⸗ ſerve, daß ich kaum den Muth habe, es dem Mädchen ſehr zu ver⸗ denken, wenn ihre alte Neigung zu Willamowsky wieder etwas mehr erwacht.“
„Aber warum denn Willamowsky und immer wieder dieſer Willa⸗ mowsky!“ rief der Medieinalrath mit ſo großer Heftigkeit, daß Joli im Halbſchlaf zu knurren anfing.


