Teil eines Werkes 
9. Band, Die von Hohenstein : Roman : 3. Band (1867)
Entstehung
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Dritter Band. 3

Sache für nicht wichtig genug, und legte den Kopf mit den langen Ohren wieder zwiſchen die Vorderbeine.

Aber, ma chè ſagte der Präſident in ſeinem ſanfteſten Ton, wer hat denn nn mit Wolfgang, die ſchließlich doch an dem ganzen Ungläck Schuld iſt, von Anfang an protegirt und endlich zu Stande gebracht, wenn nicht Du? Ich kann doch nicht dafür, daß Camilla den Wolfgang nicht leiden kann. Hätteſt Du den Burſchen gelaſſen, wo er war, ſo würdet Ihr Euch heute Morgen nicht den Impertinenzen von Mamſell Schmitz auszuſetzen gehabt haben und Camilla könnte in Gottes Namen Willamowsly heirathen.

Da die Präſidentin wußte, daß die Argumente ihres Gemahls im Grunde unwiderleglich ſeien, ſo blieb ihr natürlich nichts Anderes übrig, als ſich in die Sopha⸗Ecke ſinken zu laſſen, das Taſchentuch vor das Geſicht zu drücken und in Thränen auszubrechen.

Joli mußte auch dieſe Scene kennen; er bewegte nur leiſe, ohne den Kopf zu erheben, die klugen langen Ohren. 3

Der Präſident, der dringend zu thun hatte, aus Gründen der Klugheit aber und weil es die langjährige Gewohnheit ſo mit ſich brachte, nicht in ſein Arbeitscabinet gehen durfte, ohne ſeine Ge⸗ mahlin vorher verſöhnt zu haben, bot alle ſeine Ueberredungskunſt auf, das wünſchenswerthe Ziel ſo ſchnell wie möglich zu erreichen, und zuletzt trieb er die Galanterie ſo weit, ſich(nicht ohne einige Mühe) vor der Weinenden auf ein Knie niederzulaſſen.

In dieſem Augenblicke ertönte ein Geräuſch, das zwiſchen Huſten und heiſerem Lachen eine glückliche Mitte hielt. Der Präſident kam unverhältnißmäßig viel ſchneller auf die Füße, als er vor einer halben Minute auf die Knie gekommen war.

Die Liebe höret nimmer auf! quäkte der Hereingetretene;die ſchönſte Illuſtrativn zu dem bibliſchen Wort, die meine Augen je ge⸗ ſchaut haben!

Ah, mon cher ami, wie geht's, wie ſteht's? ſagte der Präſi⸗ dent, dem Medicinalrath mit großer Zuvorkommenheit die Hand reichend;aber wie Sie immer à propos kommen! wir ſprachen ſo eben von Ihnen. Nehmen Sie meinen herzlichſten Glückwunſch ent⸗ gegen, Herr von Schnepper.