„—— Zweller Band.
Tante Bella machte beim Eintritt der Damen in das Zimmer ihre ſtattliche Verbeugung, und hieß ſie in einem Tone, welcher in Anbetracht von Tante Bella's Seelenzuſtand ein freundlicher zu nennen war, willkommen.
„Es ſcheint, daß Sie hier die Wirthin machen, meine Liebe?“ ſagte die Obriſtin, die als geborene Comteſſe von Düren-Lilienfelde, es ausnehmend unſchicklich fand, von einer Perſon, die ſie nicht kannte, und die aller Wahrſcheinlichkeit nach eine von Wolfgangs bürgerlichen Verwandten war, empfangen zu werden.
„Wenn Sie erlauben, daß ich dem Wunſch Wolfgangs nach⸗ omme, ja,“ erwiderte Tante Bella;„wollen Sie ſich nicht ſetzen, meine Damen?“
„Ich ziehe es vor zu ſtehen!“ ſagte die Präſidentin.
„Wie Sie wollen;“ ſagte Tante Bella.
„Mit wem habe ich eigentlich die Ehre?“ fragte die Obriſtin, welche die Ruhe Tante Bella's ſichtbar reizte.
„Wollen Sie mir verſtatten, die Frage zurückzugeben?“ ſagte Tante Bella.
„Mein Name iſt Selma von Hohenſtein.“
„Ich heiße Arabella Schmitz;“ entgegnete Bella, indem ſie ſich zu ihrer ganzen Höhe aufrichtete.
„Ich muß geſtehen, das Benehmen Deines Herrn Bräutigams fängt an mir unbegreiflich zu werden,“ ſagte die Obriſtin, Tante Bella den Rücken wendend, zu Camilla.
Camilla zuckte die Achſeln.
„Sie haben wohl noch keine Mutter begraben?“ ſagte Tante Bella, die es nicht über ſich bringen konnte, Selma's Bemerkung ohne Erwiderung zu laſſen.
„Ich ſprach mit der Braut des Lieutenant von Hohenſtein;“ ſagte die Obriſtin ſcharf.
„Ich wollte nur meine Verwunderung darüber äußern, daß die Braut meines Neffen auf eine Bemerkung, die ihren Bräutigam min⸗ deſtens der Unſchicklichkeit zeiht, kein Wort der Erwiderung findet.“
„Ihnen ſcheint es an Worten nicht zu fehlen?“ „Gott ſei Dank, nein.“ Fr. Spielhagen's Werke. VIII.


