Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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mit meinen Händen wollte ich Dir ein Grab graben; und wenn Du5 von meinen Händen zur Ruhe gebracht würdeſt, mir iſt, als wenn die ſchwere Erde Dir dann leichter ſein würde.

Wolfgang drückte die brennende Stirn gegen die kalte Fenſter⸗ ſcheibe. Eine Hand legte ſich ſanft auf ſeine Schulter. Ottilie ſtand hinter ihm.

Wolfgang, armer Wolfgang! z

Keine Thräne hatte des jungen Mannes Wimper benetzt all' dieſe entſetzlichen Stunden hindurch. Der ſchmerzenſtillende Quell ſchien für immer in ihm vertrocknet; aber, als er dies liebe ſanfte Mädchen⸗ antlitz ſah, das ſo gefaßt zu bleiben verſuchte, während es ſo ſchmerz⸗ lich um den freundlichen Mund zuckte und die hellen Tropfen aus den ſchönen tiefblauen Augen über die zarten Wangen rannen da als er den eigenen Schmerz ſo rührend verkörpert ſah löſte ſich der Krampf, der ſeine Bruſt ſo lange zuſammengeſchnürt hatte, in Thränen auf. Er ſtreckte ſeine Hände wie um Vergebung bittend nach Ottilien aus, ſie ergriff ſie und drückte ſie für einen Augenblick an ihren Buſen.

Ich möchte ſie gern noch einmal ſehen, ſagte ſie leiſe.

Komm!

Wolfgang führte das junge Mädchen in das Zimmer nebenan, wo Margareth in dem offenen Sarge lag. Es war Niemand im Zimmer. Die Beiden traten Hand in Hand an den Sarg und blickten lange in das blaſſe geiſterhaft ſchöne Antlitz der Todten⸗ Weißt Du noch, Ottilie, flüſterte Wolfgang,was die Mutter an jenem Abend ſagte, als wir Beide ſo an ihrem Bett ſtanden, wie wir jetzt an ihrem Sarge ſtehen, und ſie uns lange mit ſo ſeltſam freudigen Augen angeſehen hatte?

Ja, flüſterte Ottilie. e

Sie ſagte: von nun an habe ich zwei Kinder. Ottilie, willſt 3 Du meine Schweſter ſein? Ich will es, flüſterte Ottilie, ſich auf das Antlitz der Todten

beugend, um den eben geſchloſſenen Bund durch einen Kuß auf die lieben Lippen zu beſiegeln, die ihren Namen und Wolfgangs Namen ſo oft und ſo gern zuſammen genannt hatten.