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„Sie müſſen es ſein. Ihre liebe Mutter wird dieſe Nacht nicht überleben.“
„Wird ſie noch ſehr leiden?“
„Sie iſt die meiſte Zeit ohne Bewußtſein; ich thue, was in meinen Kräften ſteht. Verlaſſen Sie ſich auf mich.“
Wolfgang drückte dem Doctor die Hand, und ging S. um Onkel Nachricht zu bringen.. 6
es war Nacht— eine Nacht, in der die Mi⸗ nuten zu Jahren werden, zu Jahren voller Höllenqualen— eine Nacht, deren Graus aus dem Schuldbuch des Lebens alle Fehle weg⸗ wiſchen müßte, wie ein naſſer Schwamm die Kritzeleien eines müßigen Knaben von der Schiefertafel; eine Nacht, in welcher ſich der Menſch tauſendmal fragt: ob es nicht ein Hohn ſei, ihn geboren werden zu laſſen, um dies zu erleben?..
Onkel Peter ſaß nicht weit von dem Bette, das vor der Zeit ergraute Haupt in die Hand geſtützt— ſtumm, regungslos, wie ein Indianer, der, an den Marterpfahl gebunden, ſeinen Feinden den. Triumph nicht gönnt, ihm einen Schmerzenslaut erpreßt zu haben.
Nur einmal— und das war, wie Margareth in ihren Phantaſien anfing, von dem alten Haus in der Ufergaſſe zu ſprechen und von dem Bruder Peter, der immerdar ſo unendlich gut gegen ſie geweſen ſei, der ſie ſo ſehr geliebt und dem ſie ſeine Liebe ſo ſchlecht ver⸗
golten habe— ſtand Onkel Peter leiſe auf, ging in die dunkelſte Ecke des Zimmers und weinte wie ein Kind..
Es war eine lange, bange Nacht.
Als der graue Morgen durch die Vorhänge dämmerte, neigte Margareth ihr Haupt auf die Seite; ihre ſchmerzdurchwühlten Züge nahmen den alten Ausdruck milden, ſchwermüthigen Ernſtes an.*
„ Das Ziel der langen leidensvollen Wallfahrt war erreicht;. ein paar tiefe Athemzüge die Laſt des Lebens ſank von der müden, gepreßten Bruſt— auf auf immer!


