Siebenundzwanzigſtes Capitel.
„Gott ſei Dank, daß Ihr endlich kommt!“ ſagte der Stadtrath, als Wolfgang und Onkel Peter in das Wohnzimmer traten.
Er hatte an dem runden Tiſch, der in der Mitte des Zimmers ſtand, geſeſſen, und ſich erhoben, um den Beiden entgegenzugehen, aber er ſank alsbald wieder in den Stuhl zurück und verbarg das bleiche Geſicht in den zitternden Händen.
Wolfgang trat an ihn heran und legte ihm die Hand auf die Schulter.
„Die Mutter iſt todt, Vater?“
„Nein, ſie lebt, aber ſie leidet ſo furchtbar; ich kann es nicht mehr mit anſehen.“
Der unglückliche Mann war wie gebrochen; der Anblick Onkel Peters, der ſeit zehn Jahren dieſe Schwelle nicht überſchritten hatte, war ohne Eindruck auf ihn geblieben.
„Sei ein Mann, Schwager!“ ſagte Onkel Peter;„laß uns zu⸗ ſammen tragen, was dem Einen zu ſchwer wird.“
Der Stadtrath richtete das verzerrte Geſicht empor und blickte ſeinen Schwager mit irren Blicken an:
„Sie war Dir ſehr werth!“ ſagte er.
„Das weiß Gott;“ ſeufzte der arme Onkel Peter.
Wolfgang war in das Zimmer gegangen, wo die Mutter lag.— Die wenigen Stunden, daß er ſie nicht geſehen, hatten ſie furchtbar verändert; der junge Dr. Brand, der auf Wolfgangs Wunſch anſtatt des alten Medicinalraths Schnepper die Kranke in der letzten Zeit behandelt hatte, war im Zimmer. Er faßte Wolfgang, der in dumpfem hülfloſem Schmerz in das theure entſtellte Antlitz ſtarrte, leiſe an der Hand, zog ihn mit ſanfter Gewalt einige Schritte vom Bette fort und ſagte:
„Sie ſind auf das Schlimmſte gefaßt, Herr von Hohenſtein?“


