Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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Zweitev⸗Band

Arm reichend;komm, Wolfgang, es iſt lange her, daß wir eine Flaſche mit einander getrunken haben.

Wolfgang folgte zu dem Tiſch, an welchem Tante Bella bereits Platz genommen hatte. Das Eſſen rechtfertigte trotz ſeiner ſpartani⸗ ſchen Einfachheit Dr. Holms enthuſiaſtiſches Lob, und auch an einer Flaſche guten alten Weines der vorletzten, wie Tante Bella mit einer gewiſſen ſelbſtquäleriſchen Genugthuung bemerkte fehlte es nicht. Dr. Holm hatte ſeinen allerbeſten Tag, und Tante Bella ſchien für heute ihren Vorrath von Rührſeligkeit erſchöpft zu haben und blieb dem humoriſtiſchen Freunde durchaus keine Antwort ſchuldig. Onkel Peter machte den aufmerkſamen Wirth und ließ trotz Tante Bella's proteſtirendem Stirnrunzeln die letzte Flaſche heraufholen. Ich will auch einmal vergnügt ſein, ſagte er,oder vielmehr: ich will's nicht ſein, ich bin's. Mir iſt, als wären die letzten zwanzig, fünfundzwanzig Jahre aus dem Buche meines Lebens ausgelöſcht und als könnte ich die reinen Seiten noch einmal beſchreiben. Stehe ich doch wieder, wo und wie ich damals ſtand und iſt nicht beinahe Alles wieder, wo und wie es damals war? Erinnern Sie ſich, Holm, des erſten Abends, nachdem Sie aus Rom zurückgekommen waren? Wir ſaßen hier auf dieſer ſelben Stelle, an dieſem ſelben Tiſch. Sie, meine Schweſter Margareth, Dein Vater, Wolfgang, der ſich eben mit Margareth verlobt hatte, und ja richtig, Bella, Du warſt ja an dem Abend auch zufällig hier. Ich hatte den Kopf voller Pläne gerade wie ich ihn jetzt wieder voll habe Bella; Sie, Holm, lebten noch ganz in Ihren italieniſchen Erinnerungen und er⸗ zählten in den prachtvollſten Herametern und Pentametern die elegiſche Geſchichte Ihrer Liebe mit der römiſchen Gräfin; Tante Bella war erſt ſehr ſentimental und wurde nachher ſo munter, wie ſie ſein kann, und immer ſein würde, wenn ſie wüßte, wie gut ihr das ſteht; und die beiden Liebesleute waren gerade ſo ſtill, wie unſere Ingend heute Abend auch iſt. Ich dachte an jenem Abend, ſo würde es immer bleiben. Nun, es können nicht alle Wünſche in Erfüllung gehen, und doch iſt auch jener Wunſch zum Theil erfüllt worden. Wir wenigſtens, Holm, ſind Freunde geblieben; Bella und ich fangen ja auch nachgerade an, uns ineinander zu ſchicken; und wenn wir nun