Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

248 in.

das Forum der Partei, das gehört vor das Forum der allgemeinen und überall ſtichhaltigen Moral, und wie ich mit dem Politiker Münzer nicht mehr Hand in Hand gehen kann, ſo iſt er auch und das iſt wahrlich viel ſchmerzlicher für mich in meiner Achtung als Menſch ſehr geſunken. Siehe, Wolfgang: ich glaube an die Solidarität der menſchlichen Tugenden, und war immer der Meinung, daß, wenn bei einem Menſchen irgend eine Störung in der einen Sphäre ſtattgefunden hat, dieſe Störung auch in der andern Sphäre ſich äußern wird, und umgekehrt. Es mag dies ein philiſtröſer Irrthum ſein, aber es iſt einmal meine Ueberzeugung, und ſo ſchließe ich denn auch aus Münzer's politiſchen Sünden auf ſeine moraliſche Unzulänglichkeit um es milde auszudrücken. Ich habe den Gerüchten, die über ſeine ehelichen Zer⸗ würfniſſe in der Stadt cirkulirten, keinen Glauben geſchenkt; habe meine Frauenzimmer oft hart angelaſſen, wenn ſie mir damit kommen wollten aber ich geſtehe, daß ich jetzt Alles und noch mehr glaublich finde. Leider ſpricht nur zu viel für ſeine Widerſacher: die Trennung von ſeiner Frau, die jetzt, nachdem er ſchon faſt zwei Monate wieder zurück iſt, unerklärlich bleibt; ſeine Intimität mit der Schwägerin Deines Vaters, eine Intimität, die ſich für einen Demokraten von reinem Waſſer, wie Münzer doch zu ſein prätentirt, ſchlechterdings nicht ſchickt; ſein Umgang mit dem Herrn von Degenfeld, der, trotz ſeiner revv⸗ lutionären militairiſchen Ideen, ein Erz⸗Ariſtokrat iſt und mit ſeinen napoleoniſch- imperialiſtiſchen Gelüſten, die aus verſchiedenen Stellen ſeines Buches deutlich genug hervorblicken, Münzer's Kopf noch ganz verrücken wird. Die Ariſtokraten ſagen: Noblesse oblige; und ich ſage: das Demokratenthum hat auch ſeine Verpflichtungen, hat auch ſeine dehors zu beobachten. Wer ein Volkstribun ſein will, der ſei es vom Wirbel bis zur Sohle und bis in's innerſte Herz hinein; den Bogen, der das Ziel treffen ſoll, muß man aus ganzem Holze ſchneiden. Was giebt's, Kleine?

Tante läßt bitten! ſagte Ottilie, auf einen Tiſch im Hintergrunde des Zimmers deutend, den ſie während deſſen ſchnell und geräuſchlos zum Abendbrod gedeckt hatte.

Komm, mein Mädchen, ſagte Onkel Peter, Ottilien galant den