der herzlichen Begrüßung bei, deren ſich Wolfgang diesmal zu er⸗ freuen hatte.
„Du haſt mich lange warten laſſen, bevor ich Dir meinen Dank für Deine neuliche Rettung aus der Noth abſtatten konnte,“ ſagte er, dem jungen Manne kräftig die Hand ſchüttelnd;„ich bin Dir wirklich nachträglich recht dankbar geweſen, denn ein Opfermuth für die gute Sache, bei dem gar nichts herauskommt, iſt ſchließlich doch ſehr übel angebracht. Wie geht's der Mutter?“
Onkel Peter fing an mit Wolfgang im Zimmer auf⸗ und ab⸗ zugehen. Wolfgang mußte ihm von der Mutter erzählen und Onkel Peter's Geſicht wurde ſehr ernſt, als er hörte, daß der Zuſtand der⸗ ſelben ſich in letzterer Zeit weſentlich verſchlimmert habe. Er fuhr ſich mit der Hand über die Stirn und ſagte:„Ich komme morgen und beſuche ſie; bin freilich ſeit zehn Jahren nicht in Eurem Hauſe geweſen, aber, wer weiß, wie lange Deine Mutter und ich noch zuſammen auf der Welt ſind und über das Grab hinaus—“
Onkel Peter ſah, einen wie ſchmerzlichen Eindruck dieſe Worte auf Wolfgang hervorbrachten; er brach deshalb ſchnell ab und fing an von der Politik zu ſprechen. Seiner Anſchauung nach war die augenblickliche Lage der Dinge im Vaterlande faſt eine verzweifelte zu nennen.„Die Reaction,“ ſagte er,„hat ihr Netz faſt zugewebt, und der Rieſe„Revolution“ liegt am Boden; der Belagerungszuſtand in den großen Städten unterdrückt alles politiſche Leben; die Waffen hat man uns genommen; unſer Arm ift gelähmt, unſer Mund geſchloſſen — wir ſind nicht viel mehr als eine Leiche. Aber ein Volk ſtirbt nicht, zum mindeſten nicht ein Volk wie das unſrige; nur iſt mit krampfhaften Zuckungen, die uns die Bande nur noch feſter ſchnüren helfen, nichts gethan. Die Kräftigung muß von innen heraus und von unten herauf beginnen; wir müſſen unſere Handwerker in den Städten, unſere Arbeiter auf dem Lande erſt zu Menſchen machen; wir müſſen erſt das Material zu dem Standbild der Republik herbei⸗
ſchaffen;— für Jeden, der Augen hat zum Sehen, muß es ſich jetzt
herausgeſtellt haben, daß es uns vorläufig an dieſem Material ſo gut wie ganz fehlt. Mit Menſchen, die kein Selbſtvertrauen beſitzen, und weil ſie moraliſch und phyſiſch degenerirt ſind, auch nicht beſitzen
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