Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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eifrig an einem Zipfel des Rieſenteppichs. Der Schein der etwas alterthümlichen Lampe war nur eben hell genug, um die Stickerei und die geſchäftigen Hände hell zu erleuchten; die Geſichter ſchon befanden ſich meiſtens in einem milden Dämmerlicht; nur wenn ſie ſich einmal vorn überbeugten, traten ſie in den hellen Schein. Wolfgang konnte ſich von ſeiner Sophaecke aus nicht ſatt ſehen an dieſen beiden Frauen, die ſo verſchieden an Jahren, an Geſtalt und Geſichtsausdruck, doch ſo harmoniſch zuſammenſtimmten. Beſonders günſtig war das Bild in dem Moment, wo Tante Bella, die Brille etwas tiefer auf die Naſenſpitze rückend, mit den dunklen ausvrucksvollen Augen prüfend über die Brillengläſer weg auf ihre Kleine herabſchaute,die gewiß wieder anſtatt nach dem Muſter nach ihrer Phantaſie ſtickte, und Ottilie, das Antlitz erhebend, mit ſchelmiſchem Lächeln verſicherte, daß Alles in ſchönſter Ordnung ſei. Wer die ängſtliche Sorglichkeit des Alters und den vertrauensvollen Muth der Jugend hätte perſo⸗ nificiren wollen würde hier treffliche Studien haben machen können. Und welches Leben in dieſen Geſichtern! Welch' herrliches Mienen⸗ ſpiel, und vor Allem, welche Emſigkeit in der Arbeit! Man ſah es wohl: dies hier war kein geſchäftiger Müßiggang; dies war eine Arbeit, die zu einem beſtimmten Termine fertig ſein mußte, wenn die FirmaMaria Blad& Co. nicht einen bedenklich großen Abzug von dem winzigen Arbeitslohn machen ſollte. Und dabei hatte die arme Tante Bella, die ſo leichtſinnig für die fünf fahnenflüchtigen Damen aus der Nachbarſchaft der Brigittenkirche eintrat, offenbar ihre liebe Noth nicht blos in der Unterſcheidung der Schattirungen, ſondern auch bei dem Sticken ſelbſt. Ihre Nadel traf keineswegs immer ſogleich die richtige Stelle, und es war augenſcheinlich, daß ohne die ſchlanken Finger der jüngeren Dame, die mit ſo großer Leichtigkeit und Sicherheit die Nadel führten, der Altar in der St. Brigittenkirche noch lange auf den ihm zugedachten Schmuck hätte warten können.

Wie anders war dies Bild als jenes, welches Wolfgang ſo oft im Salon ſeiner zukünftigen Schwiegermutter beobachtet hatte! Wie hell hatte dort die doppelarmige Lampe auf die koſtbare Decke des Sophatiſches geſchienen! wie bequem hatte die Präſidentin ſich in die