Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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Zweiter B 243 die ſich Wolfgang ſchon vor vielen Jahren, als er, ein kleiner Knabe, in dieſem Zimmer ſpielte und ſich unter der Decke dieſes Sophatiſches verſteckte, gewundert hatte. Es war ihm, als ob die alte Zeit wieder⸗ gekommen, als ob Alles, was er ſeitdem erlebt, nur ein Traum ſei; als ob er ſein Leben noch einmal leben könne in dem Geiſt der Wahr⸗ haftigkeit und Liebe, die ihn, ſo lange er denken konnte, aus dieſen Räumen angeweht hatten...

Es fliegt ein Engel durch's Zimmer, ſagte Tante Bella.

Ein Lichtſchein fiel durch die offene Thür, die in Tante Bella's Zimmer führte, und gleich darauf ſtand Ottilie mit einer angezündeten Lampe in der Hand auf der Schwelle.

Wollt Ihr Licht haben? ſagte ſie.

Ihr? erwiderte Tante Bella, ſich mit dem Taſchentuch über die Angen fahrend;willſt Du denn kein Licht haben? Wahrhaftig, es iſt ganz dunkel geworden und ich habe heute Abend noch ſo viel zu nähen! Denke Dir, Wolfgang, da bin ich einmal wieder ſchön angekommen! Fällt es den Damen hier in unſerer Nachbarſchaft ein, für den Altar der St. Brigittenkirche einen Teppich zu ſticken, und ſie fragen mich, ob ich mich betheiligen wolle. Natürlich ſage ich ja. Anfänglich waren wir unſer ſechs das ging noch nun aber hat ſich die Eine verheirathet, die Zweite iſt verreiſt, die Dritte krank geworden, die Vierte will nicht mehr und die Fünfte ja, was iſt doch nur gleich mit der Fünften? genug, ich bin allein geblieben, mutterſeelenallein ich werde auch nicht klug werden.

Tante Bella hatte, während ſie dieſe ingenuoſe Fabel mit einigem Erröthen und gelegentlichem Räuspern vortrug, den angefangenen Teppich, deſſen gewaltige Dimenſionen in der That die Treuloſigkeit der fünf Damen doppelt ſtrafwürdig erſcheinen ließ, auf den Schvoß genommen, den Arbeitskorb neben ſich auf einen Stuhl geſtellt und die mattblaue Brille aus dem Futteral genommen, angehaucht, abge⸗ rieben, gegen das Licht gehalten und ſchließlich aufgeſetzt.

Das Sehen wird mir jetzt ſchon etwas ſchwer des Abends, ſagte ſie,und wenn die Kleine nicht wäre, die mir immer die Farben ausſuchte, ſo käme ich gar nicht zu Stande.

Ottilie ſaß auf einem Schemel vor der Tante und nähte bereits

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