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Du nun gar erſt verheirathet biſt— denkſt Du denn, Deine Frau würde es dulden, daß Du für Ottilie wie für eine Schweſter ſorgteſt? Da kennſt Du die Hohenſteins— na, Wolfgang, ſei mir nicht bös, aber was man nicht begreifen kann, davor ſteht man, wie vor einer verſchloſſenen Thür, oder wie vor einer chineſiſchen Mauer— und ſo kann ich auch noch immer nicht über Deine Verlobung wegkommen, und werde es auch nicht, und wenn ich ſo alt, wie Methuſalem würde. Sieh', Wolfgang,— ich will einmal ganz ſo ſprechen, wie mir um's Herz iſt— dieſe Heirath iſt kein Glück für Dich, Du wirſt es ein⸗ ſehen, wenn es zu ſpät iſt. Ich kenne Deine Braut nicht; ich will einmal annehmen, daß ſie nicht falſch und kalt und eitel iſt; daß ſie ſo gut iſt, wie ein Mädchen, das in einer ſolchen Umgebung groß wurde, nur immer ſein kann— aber, Wolfgang, das iſt nicht genug für Dich, ich kenne Dich von Kindesbeinen an, und weiß, was für ein liebevolles Gemüth Du haſt, daß Du— und wenn Dein Vater zehnmal ein Hohenſtein iſt— ein Schwitzſches Herz haſt, und ein Schmitz'ſches Herz, Wolfgang, das iſt mit ſo einer gewöhnlichen Liebe nicht zufrieden; das will mehr; das will mehr; das will mit jedem Blutstropfen lieben und eben ſo geliebt werden; und wenn es fühlt,
daß es nicht eben ſo geliebt wird, dann, Wolfgang, bricht ſo ein
Schmitz'ſches Herz; und wenn es nicht bricht, iſt es doch ſo grenzenlos elend, daß der Tod hunderttauſendmal beſſer wäre, als ſo ein Leben. Ja, ja, Wolfgang, ich kann Dir davon ein Lied ſingen, wie es einem Schmitz'ſchen Herzen thut, wenn es nicht ſo wieder geliebt wird, wie es geliebt ſein möchte; und, wenn Du mir nicht glauben willſt, ſo frage nur Deinen Onkel, der ein alter Junggeſell geworden iſt, weil er ſich in den Kopf geſetzt hatte: er müſſe leben, um ſeine geliebte Schweſter glücklich und reich zu machen; ja Wolfgang, und dann frage Deine Mutter, ob ſie glücklich geweſen iſt, nachdem ſie das Haus in der Ufergaſſe verließ, oder ob nicht ihr ganzes Leben ein nie ge⸗ ſtilltes Sehnen, ein unaufhörliches Heimweh geweſen iſt!“ Tante Bella ſchwieg und Wolfgang fand keine Antwort auf Worte, die aus ſeiner eigenen Bruſt gekommen zu ſein ſchienen. In ſt dunkel geworden; die alte Wanduhr ſagte
dem Zimmer war es faſ ihr Tic⸗tac— Tic⸗tac mit derſelben pedantiſchen Ernſthaftigkeit, über


