Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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240 Bie von Bohi

Traum in die Kategorie der guten oder ſchlimmen gerechnet habe, und ob ſie ſich mithin über das Eintreffen deſſelben freue oder betrübe, ſo hielt Wolfgang es für das Gerathenſte, ſchnell zu ſagen:

Ich gehe ſofort wieder, Tante, wenn Dir meine Gegenwart

peinlich iſt.

So? ſagte Tante Bella,gehſt ſofort wieder? Warum biſt Du denn gekommen, wenn Du ſofort wieder gehen willſt? Du

Leb' wohl, liebe Tante! ſagte Wolfgang in ſanftem, aber ent⸗ ſchiedenem Tone.

Wolfgang mußte, um zur Thür hinaus zu gelangen, an Tante Bella vorüber.

Wolfgang! rief Tante Bella, als der junge Mann in ihre unmittelbare Nähe gekommen war.

Wolfgang blieb ſtehen.

Wolfgang!

Die Liebe hatte über die Empfindlichkeit geſiegt. Mit ſtürmiſcher Heftigkeit warf ſich Tante Bella an Wolfgang's Bruſt, küßte ihn unter heißen Thränen und ſchluchzte:Sei mir nur nicht bös, Wolfgang! ich habe Dich ja ſo ſehr lieb uud kann es nicht ertragen, daß Du Dich von uns wendeſt.

Liebe Tante

Ja, ich weiß, daß in Deinem Herzen nicht Alles todt für mich iſt, und gegen meinen Bruder biſt Du ja neulich auch ſo gut geweſen! Du lieber, guter, lieber Junge! Habe ich es nicht geſagt, Ottilie?

Aber Sttilie hatte, als ſie ſah, daß die Begegnung zwiſchen der Tante und Wolfgang einen guten Ausgang nahm, ſich in aller Stille entfernt, und Tante Bella nahm dieſe Gelegenheit wahr, um Wolf⸗

gang(den ſie zu ſich auf das Sopha gezogen hattte) ihr Vertrauen zu beweiſen, indem ſie(nicht ohne dabei manche Thräne zu vergießen) die Geſchichte der Familie Schmitz ſeit der Ankunft Ottilien's im vorigen Frühjahr recapitulirte, eine traurige Geſchichte, die in dem dunklen Spiegel von Tante Bella's melancholiſcher Phantaſie doppelt leidvoll erſchien: Und nun denke Dir, Wolfgang ſchloß,, Tante Bella ihren peredten Vortrag,was ſoll aus uns werden, wenn mein Bruder eines